Gräflicher Park Bad Driburg


Bad Driburg


Den Grundstein für das Driburger Bad legt der Paderborner Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg, als er 1665 den heute als Rabe-Quelle (Hauptquelle) bekannten Driburger Sauerbrunnen fassen und 1669 eine doppelreihige Lindenallee anlegen lässt. Später kommt eine weitere Allee in südlicher Richtung hinzu. Diese beiden Alleen bestimmen noch heute die Grundstruktur der gesamten Kuranlagen. Für den weiteren Ausbau sorgt Fürstbischof Clemens August, als er 1743 über dem Brunnen einen achteckigen Pavillon sowie ein Packhaus zum Versand des Wassers errichten lässt.

Aber erst durch Caspar Heinrich von Sierstorpff (1750 - 1842) etabliert sich Bad Driburg ab 1782 zum führenden Kurort der gehobenen aufgeklärten Schichten. In den sechzig Jahren seiner Tätigkeit werden 16 Gebäude in Fachwerkbauweise errichtet oder umgebaut.

Nach ihm sollten die Parkanlagen Bad Driburg zu einem Ort "des ländlichen Vergnügens" machen. Westlich des Hauptbrunnens schafft er einen ersten landschaftlich gestalteten Park, in dem die Kurgäste spazieren und ruhen können und damit die heilkräftigende Wirkung des Mineralwassers unterstützen. Die Landschaft wird einbezogen, weite Ausblicke auf das umgebende Eggegebirge heben die Grenzen zwischen den gärtnerisch gestalteten Anlagen und der Landschaft auf.

Der damals noch unbewaldete Rosenberg wird unter dem Aspekt der Naturverschönerung mit Schlängelwegen versehen und mit diversen Gehölzen bepflanzt. Auch nach Caspar von Sierstorpff erfolgen kontinuierliche Erweiterungen und Veränderungen.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wird der Park in südlicher Richtung weitflächig erweitert. Dieser Bereich beeindruckt bis heute mit weit geschwungenen Wegen, gepflegten Rasenflächen und eindrucksvollen Solitärbäumen. Den Höhepunkt bildet der "Hölderlin-Hain" und der diesem zugewandte Teich mit der "Diotima"-Insel. Sie sind Friedrich Hölderlin und der von ihm geliebten Frankfurter Bankiersgattin Susette Gontard gewidmet, die er als Diotima in literarischer Gestalt verehrte. Beide besuchten 1796 Bad Driburg.

Zwischen den beiden Weltkriegen wird ein Rosengarten angelegt und der älteste Parkbereich am Hauptbrunnen in eine Anlage mit geometrischen und landschaftlichen Elementen umgestaltet. Nach dem zweiten Weltkrieg wird der Kurpark südwestlich der großen Lindenallee noch um rund ein Drittel weiter vergrößert.

Der kleine Gartentempel am Teich und die historischen Vorbildern nachempfundenen Gartenbrücken wurden von Ramona Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff (1928 -2003) errichtet.

Den vorläufigen Schlusspunkt setzen nördlich der Trinkhalle ein formaler Heckengarten aus Hainbuchen und ein Brunnen der englischen Bildhauerin Angela Conner zur stillen Betrachtung. Das "Kunstobjekt" wird allein durch die Kraft des Wassers in unterschiedliche Richtungen bewegt.

Ein besonderes Merkmal sind die mit großer Sorgfalt vorgenommenen Beetbepflanzungen. Dem ersten Höhepunkt mit der Tulpenblüte folgt die Sommerbepflanzung, die für ein kontinuierliches, farblich abgestimmtes Blütenmeer sorgt.

Der Gräfliche Park in Bad Driburg ist seit 2009 um eine Attraktion reicher: Der international renommierte Gartenarchitekt Piet Oudolf hat einen Stauden- und Gräsergarten angelegt, der wie ein blühender Fluss durch den Landschaftspark mäandert. 

Die Gartendesignerin und Expertin für Zwiebelgewächse Jaqueline van der Kloet, bereichert ab Frühjahr 2012 den Piet Oudolf-Garten im Gräflichen Park mit einem Blütenteppich von Frühlingsblühern. Die Niederländerin lässt den Stauden- und Gräsergarten schon nach der Schneeschmelze zu einer Attraktion werden, schon bevor sich die Staudenpflanzen im Juni zu ihrer vollen Blüte entfalten.

 



Der Gräfliche Park in Bad Driburg wird auch heute noch durch zwei auf die Quelle zulaufende Alleen von Linden-, Eichen- und Kastanienbäumen und Fachwerkgebäude reizvoll dominiert. Hierauf nahm im Rahmen der Rauminszenierungen 2001 der Künstler Gilles Clément Bezug, als er aus Schleierkraut, Schmuckkörbchen und Prachtkerzen eine Pflanzung anlegte, welche die zentrale Achse zur Trinkhalle veränderte. Ein Element natürlicher Wildheit bereicherte die bestehende Architektur und setzte sich mit Iris in einem Brunnen und Lilien auf einer Wiese fort. Die weißen Blüten stellten die Übersetzung des sprudelnden Elements Wasser in Pflanzen dar.

 



Driburg ist ein Ort der künstlerischen Interpretation durch Gartenkultur und Architektur, durch literarische Beschreibungen der vielen berühmten Gäste. ‹Wir wohnten unter herrlichen Bergen und Wäldern und machten unter uns selbst den besten Cirkel aus›, schrieb Friedrich Hölderlin 1796 an seinen Bruder aus Driburg. Großzügige Alleen laden zum Verweilen ein. Die im 18. Jahrhundert errichteten Badehäuser zeugen von einer Zeit, in der man über die Bedeutung von Gehen und Muße wusste. Wenige glückliche Wochen verlebte Hölderlin mit Susette Gontard, der ‹Diotima› seiner Dichtung, in Driburg, sein Leben war ein fortwährendes Aufbrechen, Abschiednehmen, Ankommen, nur um wieder neu fortzugehen: Unterwegssein als Gedanken- und Lebensausdruck, unterwegs zu größerer Freiheit, zu schönerer Menschlichkeit, der großen Natur. Eine Hommage an Hölderlin, seine lyrischen Klagen und Anklagen, aber auch an die Dichte seiner poetischen Sprache und ihre hohe Musikalität versprechen die Lesungen und Konzerte an diesem Ort. Über große Zeiträume hinweg laufen die Wahlverwandtschaften von Friedrich Hölderlin zu Michael Hamburger oder dem arabischen Dichter Fuad Rifka, der 6.000 Kilometer fuhr, um an dem Ort eine Lesung zu geben, an dem Hölderlin die Liebe fand, von Beethoven zu Luigi Nono und György Kurtag.

Driburg mit seiner weitläufigen Umgebung - dem Teutoburger Wald, dem Knochenberg, den mineralischen Quellen, Mühlen und Glashütten - hat Hölderlin dichterisch zur Sprache gebracht. Wenn der Lesende an diese Plätze kommt: an die Alleen, die Wälder, die Täler dieser Gegend, mag es ihm so wie Hölderlin selbst ergehen: die Orte erinnern ihn an die Literatur über sie. Wenn wir in den Gedichten von Hölderlin Bilder der Driburger Landschaft wieder entdecken, verändert sich auch das Bild dieser Landschaft für uns und im besten Fall erinnern wir uns, wenn wir dorthin kommen, an die Literatur über sie, an einen Vers, eine Strophe, eine Zeile. Dann geht ein Stück Kunst und Literatur in den Alltag ein.