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Gutspark BoeckelGutspark BoeckelBis ins 14. Jahrhundert lässt sich die Geschichte des Rittergutes Böckel zurückverfolgen. Die erste Burg stand, an den Resten der Gräfte noch erkennbar, nordöstlich der heutigen Anlage. In der wasserreichen Aue erbaut Heinrich von Voß in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auf der heutigen Hauptinsel das alte Herrenhaus mit zwei charakteristischen Ecktürmen. Diese und die doppelt gezogenen Wassergräben, von denen einer später zugeschüttet wird, zeugen von der Wehrhaftigkeit der Anlage. Der Industrielle Leopold Koenig erwirbt 1874 Gut Böckel, den damals größten Grundbesitz in der Region für seinen Sohn Carl. Dieser errichtet 1884 südlich vom alten Herrenhaus ein neues Hauptgebäude in den Formen der Neorenaissance. Es wird im frühen 20. Jahrhundert soweit umgebaut, dass heute aus der Gründerzeit nur noch der Portikus, die Fensterlaibungen und die doppelläufige Treppe erhalten sind. Nach dem Um- und Ausbau der Wohngebäude beauftragt Koenig den Hamburger Gartenarchitekten Rudolph P.C. Jürgens mit der Gestaltung der gärtnerischen Anlagen. Nach dem Tod ihres Vaters 1927 leitet Hertha Koenig Gut Böckel fast 50 Jahre.
Die Außenanlagen können in drei Bereiche gegliedert werden: Die Wagenvorfahrt, den malerisch von der Gräfte umgebenen Gartenbereich und den östlich davon gelegenen Park. Der Hauptblick geht von der Treppe des Wohnhauses zum Parterre und über die Gräfte in den Park. Im Parterre ("pleasure-ground") zwischen Haus und Park, legt Jürgens ein regelmäßiges Wegenetz rechts und links der Mittelachse an, das zu Attraktionen wie Gartenhaus, Sitzplatz und Lindenhügel führt. Jürgens schafft eine ‚schöne Landschaft' mit Blickbeziehungen und Blickfängen, aber auch Abgrenzungen. Zu den Attraktionen gehört das 1906 errichtete, heute leider verfallene Gewächshaus. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts halten fremdländische Gehölze Einzug. Als Sohn eines Baumschulbesitzers setzt Jürgens diese in großem Umfang ein. Bei Standort und Auswahl orientiert er sich an der damals verbreiteten Pflanzung von Laubgehölzen vor Nadelgehölzen ("hell vor dunkel"), der abwechselnden Verwendung hängender und aufstrebender Wuchsformen, klein- und großblättriger, geschlitzter und ganzrandiger Arten. Der Park wird durch einen größeren und einen kleineren Rundweg erschlossen.
Der denkmalgeschützte Park ist ein bedeutendes Zeugnis der Gartenkunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts und ein hervorragendes Beispiel für einen weitgehend erhaltenen Gutspark in Westfalen-Lippe. Er zeichnet sich durch eine hohe Gestaltqualität und Authentizität aus. Er beeindruckt mit seinen über 100 Jahre alten Baumgestalten, deren unterschiedlicher Habitus erst jetzt richtig zur Geltung kommt. Auf dem nord-südlichen Hauptweg stehend, erkennt man die dominanten Sichtachsen. Diese bleiben heute meist auf den Park wie z.B. den markanten Eckturm, in dem der Schriftsteller Rainer Maria Rilke 1917 eine Zeit lang wohnte, beschränkt. Das ehemalige Wegenetz liegt jedoch, mit Ausnahme des Hauptwegs, unter Gras verborgen. Wie intensiv sich Jürgens mit Böckel auseinander gesetzt hat, wird an den lauschigen Plätzen deutlich. So kann man heute noch den Tisch am früheren Tennisplatz im südwestlichen Teil des Parks, die Vase am ehemaligen Kreuzungspunkt der Wege oder den Sitzplatz an der Gräfte entdecken. Wie vor 100 Jahren kann man hier in lauer Sommerluft im Halbschatten sitzen, den Blick über die Gräfte schweifen lassen und dem Plätschern des Wassers lauschen, das in den Mühlenbach abfließt.
Rainer Maria Rilkes "Sonette an Orpheus" dagegen waren es, die den Waliser Richard Deacon beschäftigten und offene und leichte Skulpturen entstehen ließen. Und wie kein anderer verstehen es Ilya und Emilia Kabakov nun seit 2003, die Poesie des romantischen Ortes in ihrem Kunstwerk "Begegne deinem Engel" in der Form einer Himmelsleiter einzufangen. Die Kabakovs empfanden den Park als idealen Ort, um das utopische Projekt zu verwirklichen.
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