Europäischer Gartenpreis 2015


European Garden Award 2015

 

Am 4. September 2015 wurde in Hamburg der Europäische Gartenpreis des EGHN und der Stiftung Schloss Dyck mit Unterstützung der Baumschule Lorenz von Ehren zum sechsten Mal verliehen.

Hier ist ein Überblick über Gewinner und Finalisten des Europäischen Gartenpreise 2015 in vier Kategorien:

• Beste Weiterentwicklung eines historischen Parks oder Gartens

• Innovatives Konzept oder Design eines zeitgenössischen Parks oder Gartens

• Sonderpreis der Stiftung Schloss Dyck

• Großräumiges Grünkonzept

 

 

KATEGORIE 1:
BESTE WEITERENTWICKLUNG EINES HISTORISCHEN PARKS ODER GARTENS

GEWINNER:
HERRENHÄUSER GÄRTEN, HANNOVER (Deutschland)

Als annähernd unverändertes Beispiel eines Barockgartens mit seiner formalen Gestaltung, einem prachtvollen Parterre, sprudelnden Kaskaden und Fontänen lädt der Große Garten Besucher zu einem genussvollen Erkundungsgang ein. „Der Garten ist mein Leben“ – das waren die Worte der Kurfürstin Sophia (1630 – 1714), die den Garten zwischen 1679 und 1714 anlegen ließ. Der Große Garten bildete die Kulisse für die glanzvollen Festivitäten der höfischen Gesellschaft der damaligen Zeit, mit Gondelfahrten auf dem Wasser, Venezianischen Nächten und Maskenbällen. Zu dieser Zeit war Herrenhausen das Heim hochgestellter Politiker, eine Begegnungsstätte für Wissenschaft und Kunst.

Musik, Tanz und Theater in Herrenhausen – diese Tradition lebt bis heute fort. Aufführungen im Gartentheater, Konzerte, Festivals, darstellende Kunst im großen Rahmen und der internationale Feuerwerks-Wettbewerb – dies alles bringt im Laufe des Jahres glanzvolles Leben nach Herrenhausen in den Großen Garten.

Das Schloss, ehemals Sitz der Welfen-Dynastie, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Es wurde als Konferenzzentrum und Museum wieder aufgebaut und bildet nun erneut den architektonischen Bezugspunkt. Sowohl die Galerie mit ihrem mit Fresken geschmückten Ballsaal als auch das einzigartige historische Heckentheater zeugen ebenfalls vom glanzvollen Leben bei Hofe.

Die von Niki de Saint Phalle entworfene Grotte ist eine faszinierende moderne Ergänzung. Mit Figuren, Glasmosaiken und Kieseln schuf die französische Künstlerin ein begehbares Kunstwerk, das Fröhlichkeit und Lebensfreude ausstrahlt.

Zahllose einheimische und exotische Pflanzen gedeihen im „Berggarten“, einem botanischen Garten, der unter anderem eine der größten Orchideensammlungen der Welt beherbergt. Naturnahe, landschaftlich gestaltete und vielfältige Bereiche, wie der Präriegarten, der Staudengrund und das „Paradies“ laden Besucher zum Lustwandeln und Genießen des Wandels im Laufe eines Gartenjahres ein. Blühende Magnolien und Rhododendren im Frühling, Präriestauden und Gräser im Spätsommer und der Moorweiher im Winter sind nur einige Beispiele für die vielen wunderschönen Facetten des Berggartens. Eine 300 Jahre alte Lindenallee führt zum Mausoleum des Königshauses Hannover.

Der „Georgengarten“, der im 18. und 19. Jahrhundert im Stil des englischen Landschaftsgartens angelegt wurde, war von Anfang an als Park für die Menschen gedacht, was bis heute so geblieben ist. Die Grünflächen, Teiche, seltenen Bäume und Sichtachsen im Georgengarten schaffen eine Landschaftsszene, die die Besucher erkunden können. Die zwei Kilometer lange Herrenhäuser Allee – eine vierreihige von Linden gesäumte Allee – verband einst die Sommerresidenz Herrenhausen mit der Stadt Hannover.

Dank der hohen Qualität der Gärten, des Shops, der Veranstaltungen und Ausstellungen verdoppelte sich die Besucherzahl der Anlage beinahe im Laufe von nur wenigen Jahren.

Laudatio durch Ed Bennis.

Externer Link zu den Herrenhäuser Gärten.


FINALIST:
 
PARCO GIARDINO SIGURTÀ, VALEGGIO SUL MINCIO (ITALY)
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FINALIST:
PAINSHILL PARK, COBHAM (UK)
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KATEGORIE 2:
INNOVATIVES KONZEPT ODER DESIGN EINES ZEITGENÖSSISCHEN PARKS ODER GARTENS

GEWINNER: MARTIN LUTHER KING PARK, PARIS (FRANKREICH)

Der "Parc Clichy-Batignolles" oder "Martin Luther King Park" ist ein perfektes Beispiel für einen modernen öffentlichen Park, mit hohem Augenmerk auf Benutzerfreundlichkeit, dem Bewusstsein für ökologische Themen und einem hohen Designstandard. Der Park wurde von den Bewohnern des Stadtteils Clichy-Batignolles sofort sehr gut angenommen.

Für den Park wurde das Areal eines Güterbahnhofs und umfangreicher Lagerhäuser umgestaltet. Dabei sind viele der ehemaligen Strukturen und Linienführungen erkennbar geblieben. Der Park schafft neue Lebensqualität und stellt die Verbindung zwischen den Quartieren Epinettes und Pereire, Batignolles und Boulevard Berthier her, und schaffte eine Verbindung mit den Grünflächen entlang der Seine. Das ganze Gebiet ist 45 Hektar groß, wovon der Park 10 Hektar umfasst.

Der Martin Luther King Park wurde in zwei Phasen entwickelt. Der gesamte Prozess von der Idee bis zum heutigen Zustand dauerte mehr als 13 Jahre. Der erste Abschnitt wurde 2007 eröffnet und 2008 zum Gedenken an den vor 40 Jahren ermordeten amerikanischen Bürgerrechtler in Martin Luther King Park umbenannt. Ein weiterer Abschnitt wurde zwischen 2008 und 2014 realisiert und mit der vollständigen Fertigstellung wird für 2016 gerechnet.

Was den Park so für die Besucher so attraktiv macht, ist die Vielfalt der Räume und der Möglichkeiten für Aktivitäten Tätigkeiten, die sie aufnehmen können. Viele Menschen nutzen den Park für einen Spaziergang, zum Joggen, um sich auf eine Bank zu setzen oder auf den Rasen zu legen. Es gibt aber auch einen Skatepark, einen Basketballplatz, einen Bereich für Gemeinschaftsgärten, Fontänen für Wasserspiele der Kinder etc. Die Biotope in der Mitte des Parks bieten einen offenen Blick auf den Park und sind Lebensraum für Insekten und Wildtiere. Die Wiesen und Baumgruppen sind perfekte Orte für die tägliche Entspannung.

Durch die Verwendung verschiedener Vegetationstypen und die Wasserflächen ist der Park zudem in vier saisonale Themen unterteilt. Im Frühjahr und Sommer verströmen Magnolien, Kirschbäume, Apfelbäume, Hartriegel und Judasbäume ihren besonderen Duft. Im Herbst leuchten die Sonnenuntergänge mit den karminroten Eichen um die Wette. Im offenen und einladenden Gemeinschaftsgarten informieren Gärtner über den Nutzen und die Kunst des Gartenbaus.Der Skate-Park lockt zahlreiche Zuschauer an und ist so nicht nur ein Ort für Skateboarder.

Der Park verfügt über ein nachhaltiges Wassersystem. Vier Becken mit Biotopen in der Mitte des Parks nehmen Regenwasser auf und filtern Wasser aus der Seine. Ein in Paris seltenes Feuchtgebiet ist Standort für typische Pflanzen wie Rohrkolben und gelbe Sumpfiris.

In den Gräben entlang der Gehwege wird Regenwasser gesammelt, in unterirdischen Speichern gesammelt und zur Bewässerung des Parks genutzt. Die Energie für die Pumpen wird durch eine Windkraftanlage gewonnen.

Die Jury stimmte dem ehemaligen Bürgermeister von Paris, Bertrand Delanoë, zu, der als zentrales Ziel des Parks die Schaffung eines Raumes für die Natur im Herzen der Stadt fordert, der zugleich schön, zerbrechlich und produktiv ist. Man könnte das Ergebnis, im Rückgriff auf ein Projekt es EGHN, auch als perfekten hybriden Park bezeichnen.

Laudatio durch Roswitha Arnold.

Externer Link zum Atelier Jacqueline Osty & associés.

Externer Link zur Website der Marie de Paris.


FINALIST:
 
BOSCO DELLA RAGNAIA,  SAN GIOVANNI D'ASSO (ITALIEN)
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FINALIST:
ETAR DE ALCÂNTARA, LISSABON (PORTUGAL)
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KATEGORIE 3:
SONDERPREIS DER STIFTUNG SCHLOSS DYCK

GEWINNER: SCHAU- UND SICHTUNGSGARTEN HERMANNSHOF, WEINHEIM (DEUTSCHLAND)

Der Hermannshof ist eines der besten Beispiele des "New German Style", einer von der Natur inspirierten, innovativen Pflanzung von Stauden und Gräsern. Pflanzungen im Hermannshof sind von Wildpflanzengemeinschaften geprägt, sie sind aber nicht einfach nur kopiert, sondern kreative Abstraktionen, neue Versuche und als Schaugarten Inspiration für den Gartenbau.

Der Garten ist für die Öffentlichkeit seit 1983 kostenlos zugänglich, auch als "Schau- und Sichtungsgarten", in dem Pflanzen und Pflanzenkombinationen für heiße und trockene Standorte erprobt und untersucht werden. Die Region Weinheim hat ein ungewöhnlich mildes Klima und die Sommer sind in der Regel heiß und trocken.

Die Mischung mehrjähriger Pflanzen und der „New German Style“ bzw. Präriestil sind zwei wichtige Schwerpunkte des Gartens. Die gemischten mehrjährigen Staudenrabatten sind das Ergebnis einer Pflanzenauswahl, die auf ökologischen und ästhetischen Kriterien basiert. Das Neue dabei ist, dass Pflanzen in Containern zusammengestellt werden, die dann in gleichen Abständen nach dem Zufallsprinzip durch relativ unerfahrenes Personal gepflanzt werden. Die Pflanzung im Präriestil bietet vielfältige, attraktive Gestaltungsmöglichkeiten bei relativ geringem Pflegeaufwand. Für urbane, offene Flächen wie Parkplätze, Verkehrsinseln und gewerblich genutzte Flächen können sie leicht und mit großem gestalterischem Gewinn genutzt werden.

Das moderne Pflanzdesign am Hermannshof ist ökologisch orientiert. Der Park zeigt eine Reihe von großen informellen Pflanzungen für verschiedene Lebensräume einschließlich Wald, Waldrand, Steppe und Felssteppe, trockene und (halb)feuchte Böden sowie Uferbereiche. Die Steppe mit durchlässigen Böden ist den Trockenzonen in Osteuropa nachempfunden und ist ein gutes Modell für trockene städtische Standorte.

Jeder Bereich enthält sowohl wilde Arten als auch gezüchtete Sorten. Diese werden aber nur dann verwendet, wenn sie die Eleganz ihrer „wilden Vorfahren“ erreichen und die unterstützen. Die Pflanzen wachsen dabei an Standorten und in einer Vielfalt wie sie der Natur nahekommen. Das ist es, was den Hermannshof von den klassischen englischen Gärten unterscheidet.

Es gibt noch ein weiteres, interessantes Element im Garten: Seit zehn Jahren werden die Pflegearbeiten sehr sorgfältig nach Personen-Minuten pro Quadratmeter aufgezeichnet, um so Richtwerte und Planungsgrundlagen für andere Parks und Gärten liefern zu können.

Villa und Garten dienen auch heute noch der Firma Freudenberg für Firmenveranstaltungen und Konferenzen. Der Unterhalt des Gartens erfolgt zu weiten Teilen durch die Freudenberg-Gruppe (74%). Der Rest wird von der Stadt Weinheim (17%) und von Pflanzenverkauf im Garten (9%) finanziert. Rund 180.000 Menschen besuchten den Hermannshof im Jahr 2014.

Laudatio durch Gunnar Ericson.

Externer Link zum Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof.

 


KATEGORIE 4:
GROSSRÄUMIGE GRÜNKONZEPTE

GEWINNER: GREEN MALMÖ (SCHWEDEN)

Wir alle lieben gute Geschichten. Autoren und Regisseuren tun ihr Möglichstes, um uns mit spannenden, romantischen, sentimentalen und realistischen Geschichten zu unterhalten.

Eine weitere Disziplin, die mehr und mehr in den Fokus des Geschichtenerzählens rückt, ist die Stadtplanung. Natürlich ist Stadtplanung immer noch Untersuchung und Erhebung, soziale und wirtschaftliche Analyse, Planungsgrundlagen, Masterplanung und Strategien zur Lösung anstehender Probleme und Realisierung von Visionen. Aber bei moderner Stadtplanung geht es auch um die Geschichten, die im Laufe der Zeit vom Beitrag vieler verschiedener Personen, Kompetenzen und Möglichkeiten entwickeln. Es geht um die lebendige und fruchtbare Interaktion zwischen Bürgern und Stadtplanung.

Eine der Städte mit einer spannenden Geschichte ist Malmö in Südschweden. Vor etwa 30 Jahren versank Malmö weitgehend in Depression und Verzweiflung. Arbeitslosigkeit, schlechte Wirtschaftslage, Segregation, Leerstand und Umweltbelastungen waren allgegenwärtig. Doch in Malmö stellte man sich dieser Herausforderung mit dem Ziel, notwendige Entwicklung einzuleiten und der Stadt und ihren Bürgern eine neue, bessere Zukunft zu geben.

Ein umfassender Planungsprozess wurde in Gang gesetzt und ist noch nicht abgeschlossen. Bereits heute ist Malmö aber eine Stadt; es hat sich viel verändert: wachsende Bevölkerung, viele neue Unternehmen, die Erweiterung der akademischen Ausbildung, viele öffentlich-private Partnerschaften und ein neues Selbstvertrauen und Stolz über den Erfolg der bisherigen Leistungen. Es gilt wieder als erstrebenswert, in Malmö zu leben.

Im Planungsprozess haben grüne Visionen und Ziele eine strategische Rolle gespielt. Stadtgrün war ein positiv besetztes historisches Erbe (große alte und schöne Stadtparks), das nun in Wert gesetzt wurde, um eine moderne und funktionierende Stadt mit Charakter zu entwickeln.

Einige der Best Practice Beispiele: In Malmö war es wichtig, eine kindgerechte Umwelt zu schaffen. Eine Reihe von Spielplätzen mit ganz verschiedenen Design- und Themenkonzepten hat die Wünsche und Träume der Kinder realisiert. Die Vision, Kinder und ihre Familien zusammenbringen, auch über Stadtgrenzen und Herkunft hinweg, ist gelungen. Besuche von Spielplätzen in anderen Stadtteilen sind an der Tagesordnung und helfen, soziale Barrieren zu überwinden.

Für Jugendliche wurden einige sehr spektakuläre Skating-Arenen gebaut. Sie sind ein wichtiges Instrument für eine aktive und positive Nutzung öffentlicher Räume und schaffen Verantwortung für öffentliche Plätze und Parks.

Neue öffentliche Räume finden sich auch im neuen Stadtquartier Westhafen, das seit 2001 entwickelt wird. In diesem Viertle liegen eine Vielzahl von attraktiven Parks, Plätzen, begrünten Dächern, Spielplätzen, Kanälen und Stränden. Die Landschaftsarchitektur auf hohem Niveau hat der Stadt ein neues Gesicht, ein neues Image und den Namen „Green Malmö“ gegeben. Einige Parks sind heute als Imageträger fast so wichtig wie das weltberühmte Gebäude „Turning Torso“ von Santiago Calatrava.

Hinter allen abgeschlossenen und noch laufenden Projekten steht eine strategische Zusammenarbeit, die geleitet wird vom visionären grünen Plan und alle Programmen und Aktionspläne, u.a. auch für Kunst im öffentlichen Raum, koordiniert sowie die vertrauensvolle Zusammenarbeit von Fachplanern, Landschaftsarchitekten und Ingenieuren. Am wichtigsten aber sind das Interesse und das Engagement der Einwohner und die dauerhafte Vision von Politikern für eine neue und bessere grüne Zukunft. Diese strategischen Allianzen haben Malmö eine Reihe von nationalen und internationalen Auszeichnungen eingebracht.

Die Arbeit für eine grüne Zukunft Malmös ist noch nicht abgeschlossen und wird auch nie enden. Gerade jetzt konzentriert sich die Stadt auf einen neuen, 90 Hektar großen Park am Stadtrand. Die erste Bauphase, die 2014 abgeschlossen war, ist der Millennium Wald. Er soll ein Treffpunkt werden für die Bewohner aus den Nachbarsiedlungen der sechziger und siebziger Jahre. Es zeigt sich auch hier: große Visionen, strategische Ziele und qualifizierte Mitarbeiter arbeiten Hand in Hand in Malmö.

Laudatio durch Mariachiara Pozzana.

Externer link nach "Malmö stad" mit einer Liste der Parks und Gärten in Malmö (in Schwedisch).

 

Fotos von der Preisverleihung und der ausgezeichneten Anlagen stehen von einer jeweiligen Auswahlsseite als Download zur Verfügung.

Pressemitteilungen zur Preisverleihung stehen hier zur Verfügung: Kurzversion; Langversion

 

Der Europäische Gartenpreis wird unterstützt durch: