Gärten berühmter Personen




Über Menschen und Begebenheiten

Wenn wir Gärten in unserem eigenen nationalen Kontext betrachten, so wird schnell klar, wie wenig wir über die Gärten, ihre Geschichte und ihren Wert wissen. Wenn wir über die nationalen Grenzen schauen, wird diese Wissenslücke noch deutlicher und selbst ein Gartenhistoriker kann bei einer Auseinandersetzung mit Gärten im Ausland schnell an seine Grenzen stoßen. EGHN hat in seiner Arbeit festgestellt, dass Menschen, die mit einem Garten verbunden sind und Begebenheiten, die dort stattfinden einen wesentlichen Teil des Vermächtnisses eines Gartens darstellen und von zentraler Bedeutung für das Verständnis seiner vielfältigen Werte sind.

Wir haben die Vorstellung, dass Gärten etwas seit jeher Vorhandenes, schon immer Existierendes seien. Wir sehen den Garten eher als ein Individuum, statt als komplexes System, das sich im Laufe der Zeit entwickelt hat. Ebenso tendieren wir dazu, Gärten als etwas zu betrachten, das ohne Zusammenhang mit Orten, Personen oder gesellschaftlichen und politischen Veränderungen existiert. Der Garten wirkt fast wie eine Insel, von Hecken oder Zäunen umsäumt, ein Park umgeben von Straßen oder Gebäuden. Wenn man Menschen bittet, einen Garten zu beschreiben, werden die meisten antworten, es sei ein Ort mit Pflanzen und Blumen; manche werden Statuen, Bänke, Tempel, Spazierwege usw. erwähnen. Selten wird jemand sagen, dass der Garten von Menschen entworfen, von anderen angelegt und gestaltet und dann von Dritten gepflegt wurde. Schließlich gibt es noch die Ideen und Ideale, die den Gärten zugrunde liegen; von diesen sprechen die wenigsten Menschen.


Über Autoren und Schriftsteller

Gärten beruhen auf Ideen und Visionen - die hat es seit den frühesten Kulturen gegeben. Francis Bacon schrieb sein Essay „Of Gardens“ im Jahre 1609 (veröffentlicht 1625); er ist einer der vielen Theoretiker und Schriftsteller, die das Nachdenken über Gärten beeinflusst haben. In diesem Essay schreibt er eher philosophisch als praktisch, wenn auch seine Anmerkungen, Themen und Auffassungen seine Zeit widerspiegeln. Es braucht eine gewisse Zeit, um die folgende Passage, die zu den meist zitierten der Gartenliteratur zählt, zu verstehen:

“Gott der Allmächtige pflanzte als Erstes einen Garten. Und in der Tat ist dies das Reinste der menschlichen Vergnügen. Er ist die größte Erfrischung für den menschlichen Geist; ohne den Gebäude und Paläste nichts als grobe Handarbeit sind: Und der Mensch wird stets beobachten, dass, wenn ein Zeitalter zur Zivilisation und Schönheit gelangt, der Mensch zuerst herrschaftliche Gebäude errichten und dann herrliche Gärten anlegen wird. Gerade so als ob die Gartenkunst Ausdruck der größeren Vollkommenheit sei.“

Nur wenige Werke nähern sich Bacons philosophischer Auffassung, da die meiste Literatur entweder in die Kategorie „historisch“ oder in die Kategorie „praktisch“ fällt. Die letztere ist als „Ratgeber“ am besten beschrieben und die Buchläden sind voll davon. Nur wenige dieser Bücher sind für den internationalen Markt gedacht, da sie sich meist auf nationale oder regionale Gegebenheiten beziehen.

Einige außergewöhnliche Werke sind in anderen Sprachen übersetzt worden: Jürgen Dahls „Der neugierige Gärtner“ (i) ist eine sehr persönliche Sicht und verbindet Philosophie, Humor und Praxis. Historische Parks und Gärten finden sich in einer völlig anderen Kategorie. Sie sind Teil des Hochglanz-Publikationszirkus mit wunderbaren Bildern, doch häufig mit wenig Substanz.

Dennoch gibt es auch Schriftsteller wie John Dixon Hunt (USA), der den akademischen Leser anspricht, während Jane Brown (GB) einen mehr populärwissenschaftlichen Ansatz hat. Es gibt Monographien über Gartenkünstler und Gärten, meistens über die Bestbekannten, wie etwa „The Gardens of Versailles“. (ii)

Antiquarische Bücher steigen schnell im Wert, da die Händler sich über den Verkaufswert im Klaren sind. Doch beinhalten sie andere Werte, wie etwa Marie Luise Gotheins (D) „Geschichte der Gartenkunst“ (iii), ein Werk des frühen 20. Jahrhunderts, das heute noch außerordentlich nützlich und gut lesbar ist. Bedauerlicherweise sind die wertvollen Exemplare nicht unmittelbar im Buchhandel oder in Bibliotheken erhältlich; Vieles ist vergriffen und nur wenige Buchläden führen ernstzunehmende Werke über „fremde“ Gärten, Gärtner oder Gartenarchitekten.


Über Gartenarchitekten

Gartenkünstler und Gartenarchitekten sind die eigentlichen Stars, aber meist beschäftigt man sich mit einigen wenigen, während ein Großteil von ihnen unberücksichtigt bleibt. Lancelot „Capability“ Brown ist international bekannt geworden und wurde zur Symbolfigur des englischen Stils und den Namen André LeNotre assoziiert man mit der Pracht des französischen Gartenstils. Darüber hinaus können nur wenige Menschen weitere Park- oder Gartengestalter nennen, auch die des eigenen Landes nicht. Doch gab es im selben Zeitfenster weitere Gartengestalter, die „im Stil von …“ arbeiteten und die berühmten Vorbilder kopierten. Einige Wenige überschritten ihre Landesgrenzen wie der deutsche Peter Josef Lenné, der in Deutschland, Paris und Wien arbeitete. Er ist hauptsächlich für seine Arbeit im Park von Sanssouci (Potsdam), dem Tiergarten (Berlin) und Wohngebieten in Berlin und Wien bekannt. In jüngerer Zeit gab es Forschungen über andere, weniger bekannte Gartenarchitekten wie Thomas Blaikie, den man als den französischen „Capability“ Brown bezeichnete, und der die Gärten im Bois de Boulogne (F), aber auch die Anlagen des 18. Jahrhunderts von Schloss Dyck (D) konzipierte. (iv)

Zu oft werden nur die “Helden” der Gartengestaltung in den Vordergrund gestellt. Eine solche Haltung ignoriert die Tatsache, dass die meisten Parks und Gärten von weniger bekannten Gartenkünstlern angelegt wurden, viele darunter sind einmalige, von den Eigentümern selbst gestaltete Gärten. Eigentümer sind in der Lage, den Garten mit einer neuen und sehr persönlichen Perspektive zu präsentieren. William Chrisite, ein Spezialist der Barockmusik, spricht von seinem Garten in der Vendée (F), als „ … sehr vielseitig. Gärten sind wie Musik; Ich habe improvisiert, interpretiert und bin meiner eigenen Inspiration gefolgt.“ (v) Der Garten im Chateau du Pin (F) wurde 1921 ursprünglich von seinem amerikanischen Eigentümer Gérard Christmas Cignoux angelegt; heute setzt seine Enkelin Jane de la Celle seine Vorstellungen fort und entwickelt neue Themen im Garten. (vi) Oft übersieht man einen Park oder Garten, der keinen berühmten Namen trägt; dies zu tun bedeutet, persönliche und ganz spezielle Qualitäten zu versäumen, die Gärten mit neuen Ideen und Interpretationen bereichern.


Über Gärtner und Pflanzensammler

Wenn die Gartengestalter die Stars der Gartenwelt sind, so sind die Gärtner die Aschenputtel: Nicht anerkannt und kaum zu Bällen geladen. Gelegentlich bezieht man sich auf Gärtner, aber selten gibt es tiefer gehende Informationen zu ihrer Biografie. Anerkennung gibt es für die, die den Garten geplant haben oder die, die den Auftrag dazu erteilt haben, d. h. die ihn bezahlten. Geoffrey Jellicoe schrieb über die Gärten des Petit Trianon in Versailles und erwähnt den Plan von J. Gabriel für Ludwig XV. und Madame Dubarry. Dann schrieb er, einige Jahre später „ … schuf Ludwig XVI. (1774) den so genannten Anglo-Chinesischen Garten für Marie-Antoinette.“ (vii) Es ist keine böse Absicht, die Rolle der Gärtner gering zu schätzen, es ist einfach die übliche Herangehensweise, Gartengeschichte ohne Erwähnung der Gärtner, die diese Gärten anlegten und pflegten, zu präsentieren. Fast könnte der Eindruck entstehen, dass Ludwig XVI. persönlich die Wege anlegte, die Mauern errichtete und die Pflanzen anpflanzte!

Dennoch gibt es einige wenige Beispiele für großen Erfolg und Anerkennung. Joseph Paxton war der leitende Gärtner in Chatsworth (GB), wo er 32 Jahre für den Herzog arbeitete und die Erlaubnis erhielt, private Aufträge auszuführen. Er wurde berühmt für seine Gestaltung des Birkenhead Park und seiner Ingenieurskunst bei der Errichtung des Crystal Palace aus Eisen und Glas (1854). Paxton wird selten als Gärtner bezeichnet und nur wenige wissen um seinen Beitrag zur Gartengestaltung und Gärtnerei.

Es gibt nur einige wenige Fotos von Gärtnern und ihren Teams bei der Arbeit in den Parkanlagen großer Landsitze, aber nur wenige Informationen dazu. Oft sind sogar die Namen der Personen vergessen.

Das genaue Gegenteil trifft für Pflanzensammler zu, die viele der populärsten Pflanzenarten nach Europa brachten. Oft wurde eine „botanisierte“ Version ihres Namens an die Pflanze angehängt. Sir Joseph Banks benannte die Rosa banksiae (Wildrose) nach seiner Frau. Die Kaempfer-Lilien sind nach Engelbert Kaempfer, einem deutschen Arzt, benannt und Reginald Farrer entdeckte die Viburnum farreri (Duftschneeball). Es gibt eine lange Geschichte von Pflanzensammlern, die bis ins alte Ägypten unter Königin Hatshepsut zurückgehen. Neue Pflanzenarten kamen mit der Römerzeit nach Nordeuropa und später durch die Kreuzfahrer. Dies ist eine wechselvolle Geschichte mit vielen Aspekten, die direkt mit wissenschaftlichen Entwicklungen verbunden sind, da viele Pflanzen aus medizinischen Gründen eingeführt wurden. Carolus Clusius, ein flämischer Arzt und Botaniker, wurde als „Europas erster wissenschaftlicher Hortikulturist“ bezeichnet, weil er im 16. Jahrhundert viele Pflanzen eingeführt hatte. (viii) Sie stammten aus Südfrankreich, Spanien, Portugal, Österreich und der Türkei; inklusive der Blumenzwiebel, die zur Grundlage der heutigen holländischen Blumenindustrie wurde.

Während viel über die Beziehungen zwischen Gartengestalter und Garteneigentümer bekannt ist, ist das Zusammenwirken von Eigentümer, Gärtner und Pflanzen kaum erforscht worden. Gärten entwickeln und verändern sich im Laufe der Zeit. Der Gartengestalter gibt eine Struktur für die zu entwickelnde Landschaft vor. Vielleicht liegt die wirkliche Kreativität und die Schönheit des Gartens in der Zusammenarbeit von Gärtner und Eigentümer bei der Umsetzung der Vision des Gartenkünstlers – falls eine solche Vision überhaupt jemals vollständig umgesetzt werden kann.


Über Ereignisse

Gärten sind oftmals auch Stätten der Erinnerung. Unsere Parks sind voller Gedenkstätten für Staatsmänner, Helden, Wissenschaftler, Dichter und Künstler. Sie sind Orte, die an vergangen Ereignisse erinnern, wie die Schlacht von Waterloo (1815) oder die Unterzeichnung der Magna Charta (1215) in Runnymede (GB). Die Stätten zeigen sich in heroischer Manier, die den Betrachter überwältigt oder auch als Understatement, das sich mehr an das Unterbewusstsein richtet. Die meisten Gedenkstätten sind formal in klassischer Ausgewogenheit und Symmetrie angelegt, was dem Ganzen ein Gefühl von Macht über den Betrachter verleiht. Andere sind subtiler: auch eine einfache Allee oder eine Bank kann an einen Besuch, ein Ereignis, an Geburt oder Tod erinnern. Mitten im Wald liegt das gewaltige Kennedy-Memorials in Runnymede. Seine Ausstrahlung liegt in seiner Schlichtheit, die in Kombination mit der Vorstellungskraft des Betrachters tritt. Es ist fast ein „Nicht-Design“.

Die meisten Ereignisse oder Begebenheiten sind nicht für die Nachwelt festgehalten worden oder gar nicht bekannt. Wichtige Gespräche zwischen Industriellen, Politikern, Finanzleuten oder Schriftstellern haben oft in Gärten stattgefunden. Der Garten wird zur Szenerie, die bequem und erholsam ist und sich für informelle Zusammenkünfte eignet. Viele Familienfeiern finden im Garten statt und besondere Anlässe wie Hochzeiten werden im Garten, der als Kulisse dient, fotografiert. Die Geschichte der Gartengestaltung ist teilweise auch mit der Bühnengestaltung verbunden: der Eröffnungsempfang von Vaux-le-Vicomte (F) wurde 1661 zum Ambiente für 8.000 Gäste und einer großen Schau mit Musik, Feuerwerk und Theateraufführungen. Parks und Gärten wurden immer auch als Orte der Unterhaltung und für Feste genutzt. Oftmals waren festliche Wege bereits in der Konzeption vorgedacht und es gibt eindeutige Belege, dass zahlreiche Gärten des 18. Jahrhunderts den Symbolismus der Freimaurer widerspiegeln, indem sie von der Dunkelheit ins Licht führen.

In der heutigen Zeit werden Parkanlagen als Zufluchtstätten genutzt, um dem Stadtleben zu entrinnen aber auch für Gartenfestivals weiterentwickelt. Feste, mit einem Themenspektrum von Essen und Trinken, Pflanzen oder Gartengestaltung, werden in vielen Parkanlagen veranstaltet. Besonders erwähnenswert sind die Garten- und Blumenausstellungen, die im Tatton Park (GB), in Chaumont (F) und Schloss Dyck (D) stattfinden. Hier werden Gärten, Gartenbaukunst und Gartengestaltung zelebriert. Sie bringen das Publikum in direkten Kontakt mit den neuesten Designideen, Pflanzen und Methoden. In ähnlicher Weise werden unsere städtischen Räume neu definiert, indem Menschen die Straßen der Stadtzentren zurückerobern. Uferpromenaden werden zur Unterhaltungs-, Fest- und Erholungsmeile und Stadtplätze zu Veranstaltungsorten für Events. Die Palette reicht von Kunstausstellungen und Märkten bis zu Großbildleinwänden für Nachrichten oder Sportereignisse.

Autor der englischen Originalversion:
Prof. E M Bennis, Manchester Metropolitan University
für EGHN, 2006


Quellenangaben, Literatur:
(i) Dahl, Jürgen The Curious Gardener, Timber Press, Portland, USA 2004. Originally published as a revised version of three works by Dahl as Der Neugierige Gärtner (2002)
(ii) There are many books written on this garden. Particularly useful is Lablaude, Pierre-André The Gardens of Versailles Zwemmer, London 1995 (English edition); Éditions Scala, Paris 1995 (French edition)
(iii) This was originally published in German in 1913, followed by the English edition in 1928. Modern reprints are available.
(iv) Taylor, Patricia Thomas Blaikie, The ‘Capability’ Brown of France Tuckwell Press, Scotland 2001
(v) Valéry, Marie-Françoise Gardens in France Taschen, Köln 1997 p198
(vi) Ibid. p190
(vii) Jellicoe, G and Jellicoe, S The Landscape of Man Thames & Hudson, London 1975 p228
(viii) Jellicoe, G et al The Oxford Companion to Gardens Oxford University Press, 1986 p122. This section was written by Dr Florence Hopper. Also refer to Plant Hunters.