Die Gartenstadt Port Sunlight
Der Garten
Port Sunlight mit seiner abwechslungsreichen und ansprechenden Aritektur, seinem überzeugenden Stadtgrundriß und seinen gepflegten Gärten und Grünanlagen ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür wie inspirierte Unternehmer des 19. Jahrhundert das Lebensumfeld zum physischen und geistigen Wohl ihrer Angestellten gestalten konnten.

Heutige Besucher finden in Port Sunlight eine idealisierte Vision des Lebens auf dem Dorf: hübsche Fachwerkhäuser, baumgesäumte Straßen und reicher Blumenschmuck. Hier spiegelt sich der Wunsch des Gründers William Hesketh Lever (1851 - 1925) wider, die grüne Halbinsel Wirral vor der zunehmenden Landschaftszerstörung in Englands industriellem Nordwesten zu schützen.
Lever kam 1851 als Sohn einer viktorianischen Familie des unteren Mittelstands zur Welt und lebte in Bolton in einem komfortablen Mittelklasseviertel der Georgianischen Epoche.

Derartige Lebensbedingungen waren zu dieser Zeit eine Ausnahme, da sich seine Heimatstadt durch die industrielle Revolution so rapide entwickelt hatte, dass sie zu den Teilen Nordenglands mit der höchsten Umweltbelastung gehörte, die zunehmend mit Schmutz und Armut konfrontiert waren.
Im Zuge einer neuen Welle viktorianischen Denkens hielt Lever es für notwendig, wie viele andere viktorianische Unternehmer auch, einen Teil seines Wohlstand mit denen zu teilen, die maßgeblich daran mitgewirkt hatten, nämlich den Arbeitern in seinen Fabriken.
Das Dorf Port Sunlight gründete sich auf nostalgischen Vorstellungen vom ländlichen England der Vergangenheit und dem Wunsch, ein neues ideales Lebensumfeld zu schaffen. Basis für das „Modelldorf“ an den Ufern des Mersey waren die neuen Ideen von Selbstentfaltung und verbesserter Lebensqualität.

Ende 1889 waren die Arbeiten in vollem Gang, das Fabrikgebäude und die ersten 28 Cottages waren fertig gestellt. Weitere Maßnahmen wie die Errichtung eines Geschäfts und öffentlicher Gebäude folgten.
Wie bereits andere Unternehmer festgestellt hatten, führte die Verbesserung der Lebensverhältnisse der Arbeiter zu einem Anstieg der industriellen Produktion und zu einer höheren Produktivität der Arbeiter. Die Entwicklung von Port Sunlight spornte darüber hinaus die immense Kreativität in der Architektur der Gartenstadtbewegung an.
Für die 500 Kinder der Arbeiter errichtete man eine Schule. Der Anteil weiblicher Beschäftigter in der Fabrik war hoch, was durch Koch- und Nähklassen gefördert wurde, die vom Gemeindeinstitut angeboten wurden.
Port Sunlight ist stolz auf seine architektonische Vielfalt, die im Laufe der Entwicklung auch flämische und holländische Einflüsse hatte.
In den 1980er Jahren konnte nur noch ein kleiner Teil der 10.000 Beschäftigten in den 850 Häusern des Dorfes untergebracht werden. 1980 kamen die ersten Häuser auf den Markt und über die Hälfte wurden verkauft.
1999 übernahm der „Village Trust“ die Verwaltung des Dorfes. Im selben Jahr wurde die „Port Sunlight Village Society“ reformiert, um die Struktur der Gemeinde zu erhalten.
Das heutige Dorf hat das wunderbar ruhige Ambiente bewahrt, das Lever beabsichtigt hatte. Im 21. Jahrhundert wurde es bei verschiedenen Gelegenheiten im Rahmen von “Britain in Bloom”-Wettbewerben ausgezeichnet. Die Instandhaltung des Dorfes und seiner Grünflächen, mit der ganzjährigen Präsenz attraktiver Blumenampeln, Blumenkübeln und Blumenrabatten vor den Häusern ist nicht vorstellbar ohne das hohe Engagement der Einwohner und der lokalen Vereine.
|