Der Terrassengarten von Kloster Kamp


Der Garten

Zeitgemäße Interpretation barocker Formen

Der Terrassengarten von Kloster Kamp wird bestimmt durch den imposanten Eingangsbereich oberhalb des Kamper Berges. Ein mehr als 60 Meter langer, mit Glyzinien überrankter Laubengang, eine moderne Stahlkonstruktion, führt vom Abteiplatz vor der Kirche auf die obere Terrasse und gibt den Blick auf die gesamte Anlage frei. Von hier überschaut man den ganzen Garten mit seinen barocken Strukturen - ganz so wie ihn einst auch der Abt mit seinen Gästen genießen konnte. Ein duftendes Entree bilden hier Rabatten mit alten Rosensorten, darunter „Charles de Mills“, „Agatha“ und „Celestial“ unterpflanzt mit Kräutern und Stauden.

Der Terrassengarten von Kloster Kamp

Die Terrassen, wie Kaskaden am Hang, sind gleichmäßig im Wechsel bepflanzt mit spitzkegelförmigen Gehölzen (Liguster und Zierapfel), insgesamt 137 an der Zahl.

Eine aufwendig gestaltete Treppenanlage führt als Mittelachse zum Parterre hinab, das durch ein streng lineares Wegemuster gleichmäßig in 16 Bereiche aufgeteilt ist. Die Rasenfelder der „Tapis Vert“ bringen die prunkvoll gestalteten Flächen erst richtig zur Geltung. Dazu gehören vier Schmuckbeete mit buntem Blumensaum rund um das Wasserbecken im Mittelrondell. Sie werden durch ein Buchsornament geschmückt, dessen Fächer mit weißem Splitt aufgefüllt sind. Die Eckfelder des Parterres sind als Erinnerung an die einstige Gemüse- und Kräuterbepflanzung mit gelbstieligem Mangold, blauen Ysop, Bohnenkraut, Salbei, Katzenminze und gelben Frauenmantel bestückt. Wie Zuckerhüte wirken die kegelförmigen Liguster, die den Ecken aller Felder aufgesetzt sind.

Der Terrassengarten von Kloster Kamp

Die unterste, vorspringende Terrasse ist als Boskett mit zentralem Fontänen-Wasserbecken ausgestattet. Am Fuße des Hangs befinden sich heute wieder zwei Orangerien, neuzeitliche Stahl- und Glaskonstruktionen, von denen die eine Ausgrabungsstücke sowie die Ausstellung zum Wiederaufbau des Gartens und die andere wechselnde Kunstausstellungen beherbergt. Im Süden folgt auf das Parterre ein dreiteiliges Heckenboskett. Seine Parzellen sind mit Kugelahorn bestückt und von einer hohen Ligusterhecke eingefaßt. Seitlich wird das Parterre von Alleen aus pyramidenförmigen Hainbuchen gerahmt.

Wenn man heute den Terrassengarten von Kloster Kamp betritt, so kann man kaum glauben, dass noch Mitte der 1980er Jahre nichts davon zu sehen gewesen ist. Zu diesem Zeitpunkt waren im Hauptbereich der Kuppe nur noch einige Terrassenreste vorhanden und der überwiegende Teil der Fläche als Grün- und Ackerland genutzt. Dabei hatte der Garten Mitte des 18. Jahrhunderts nach seiner Umwandlung in eine repräsentative Barockanlage überregionale Berühmtheit besessen.

Der Terrassengarten von Kloster Kamp

Der barocke Garten teilte sich damals in verschiedene Bereiche, die alle von der Prälatur einzusehen waren und einer strengen Gliederung unterlagen. Der Hang wurde von vier in der Mitte einschwingenden Terrassen eingenommen, wobei die oberen drei mit Stützmauern gefasst waren, die unterste wahrscheinlich als steile Böschung abschloss. In der Mittelachse führte eine reich gestaltete Treppe auf die unterste, in der Mitte weit nach vorne schwingende Terrasse, die an beiden Seiten von Gewächshäusern abgeschlossen wurde.

Die Treppe war mit Figuren aus Sandstein flankiert, die nach einem Inventar von 1802 alle in Versailles produziert worden waren. Erhalten ist davon heute eine einzige allegorische Figur.

Die Terrassen waren abwechselnd mit geschnittenen Pyramiden aus Taxus und Obstbäumen bestanden. An den Terrassenmauern waren Spaliere befestigt, die Aprikosen, Pfirsiche und möglicherweise auch Wein Halt gaben. Unterhalb der Terrasse schloss sich ein ebener Gartenbereich an, der durch 16 quadratische Beete gegliedert war. Hier standen Gemüse, möglicherweise mit einer Beeteinfassung aus Blumen und Kräutern versehen. In der Mitte befand sich ein Springbrunnen.

An den Gemüsegarten schloss sich ein Boskett an, dessen geschwungene, symmetrische Flächen von Hecken gesäumt und mit Gehölzen – wahrscheinlich Obst – bestanden waren. Über die mittige Hauptachse verließ man den Nutzgarten, um sich zum sogenannten Spiegel, einem großen, angelegten Fischteich, zu begeben.

Der Terrassengarten von Kloster Kamp

Nach der Auflösung des Klosters durch die Franzosen 1802 verließen die Mönche Kloster Kamp. Die Gebäude wurden zwecks Abbruchs und Gewinnung von Baumaterial versteigert. Der Barockgarten verfiel.

Bei dem heute vorhandenen Garten handelt es sich deshalb um einen vollständigen Neubau, der auch eine entsprechende Formensprache aufweist und dies auch nicht verbergen möchte. Allerdings besitzt der Garten wesentliche Merkmale, die dem historischen Vorbild nahe kommen, insbesondere was die Gliederung der Anlage anbelangt.

2008 wurden der rekonstruierte Alte Garten mit seinem begehbaren Glashaus, die lange Obstbaumallee zum Terrassengarten und die Anbindung des Alten Gartens durch eine Treppenanlage an den Abteiplatz im Ort fertig gestellt.

Die ursprünglichen Gartenfluchten des sogenannten Alten Gartens, des historischen Nutzgartens der Cisterciensermönche am Fuß des Kamper Bergs, konnten nach den verfügbaren historischen Bildquellen des 18. und 19. Jahrhunderts rekonstruiert werden. Archäologische Grabungen gaben zusätzliche Sicherheit. Im nordwestlichen Bereich der ehemaligen Gartenanlage fanden die Experten gut erhaltene Mauerreste, die ein Gartenhaus und ein Wasserbecken vermuten lassen. Um diese Funde gegen Witterungseinflüsse zu schützen und sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurden sie mit einem Glashaus überbaut.

Der Alte Garten der Abtei Kamp war einst eingebettet in ausgedehnte Obstbaumwiesen, den Großen Obstgarten, der ebenfalls als extensiv gestaltete Streuobstwiese unter Verwendung historischer Obstbaumsorten wieder hergestellt wurde.

Der 2010 nach Plänen der Duisburger Landschaftsarchitekten Hoff & Reinders fertig gestellte 2,3 km lange Wandelweg „Ein Weg erzählt Geschichte“ verbindet, entlang des renaturierten Bachs „Große Goorley“, als landschaftlich gestalteter städtebaulicher Grünzug den Kamper Berg mit dem Stephanswäldchen in Lintfort.

 


Der Text wurde aus folgenden Quellen zusammengestellt:

Harzheim, Gabriele: Der Terrassengarten von Kloster Kamp. In: Landschaftsverband Rheinland, Hrsg. (2003): Gartenkunst im Rheinland. Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege 60. S. 19ff. Petersberg.

Susanne Paus, Hans Glader (2004): Blühende Paradiese. Niederrheinische Gärten öffnen ihre Pforten.S. 16-19. Mercator-Verlag Duisburg

Ein altes Kloster geht neue Wege. Faltblatt