Der Museumsgarten von Schloss Gaasbeek


Der Garten

Das Formen von Spalierobst als Element der flämischen Gartenkunst zwischen 1860 und 1940

Der Museumsgarten, mit einer Fläche von fast 2,5 Hektar, umfasst sechs Gartenbereiche. Der Garten besitzt eine Pflanzensammlung aus Nüssen, Beeren, Gemüsen, dekorativen mehrjährigen Stauden und Gewächshauspflanzen sowie Kletterrosen, die aus der Zeit um 1900 stammen.

Der Terrassengarten dominiert mit seinem prächtigen Springbrunnen aus Carrara-Marmor aus dem frühen 17. Jahrhundert. An der südlichen Gartenmauer wächst gezogenes Fächer-Spalierobst, u.a. Aprikosen, Pfirsiche und Nektarinen. Auf der oberen Terrasse befindet sich ein Traubenhaus, das sich an die Ostmauer anlehnt. Es beherbergt eine Sammlung verschiedener Kübelpflanzen, u.a. Feigen, Kaffeebäume, Mandarinen, Zitronen, Orangen und Litchees.

Gaasbeek

Die zentrale Achse der Terrassengärten setzt sich im ummauerten Gemüse- und Nussbaumgarten fort. Hier finden Besucher das neue große Gewächshaus mit den Frühbeeten. Die Gemüsebeete sind mit dekorativen Stauden und entlang der Hauptachse mit verschlungenen Apfelbäumen in Pyramidenform sowie entlang der Nebenachse mit Kletterrosen und Kräutern eingefasst.

An den Gartenmauern wächst Spalierobst aus Apfel- und Birnbäumen. Es ist - wie im 19. Jahrhundert üblich - in verschiedenen Formen gezogen: Von der "Verrier Palmette" über den "Schnurbaum" bis zum "Doppel-U". Hier finden sich Beispiele für Äpfel und Birnen, die während des Reifungsprozesses „verpackt“ werden, um perfekte Früchte zu produzieren: Extra groß, süß und von höchster Qualität. Williams-Christ-Birnen werden in Flaschen gezogen, um den bekannten Williamsbrand zu erzeugen.

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Der ummauerte Nuss- und Beerengarten zeigt eine Sammlung an Beerenobst (Brombeeren, Himbeeren, Stachelbeeren, rote und schwarze Johannisbeeren) in ihren traditionellen Schnittformen, im Norden eine Auswahl an winterharten Trauben, Kiwis und Passionsblumen und auf der Südseite Mandelbäume und Haselnussträucher. Die weiß getünchten Mauern sind an dieser Stelle mit ungewöhnlichem, aber traditionellem Spalierobst bewachsen, unter anderem mit Apfelbäumen.

Im Nordgarten steht eine kreuzförmige Laube, umgeben von einer Beerenhecke. Der Südgarten enthält eine belgische Mustersammlung an Hortensien und fächerförmige Spaliere mit „Schaarbeekse krieken“, den bekannten Sauerkirschen, die dem lokalen Kirsch-Bier den delikaten Geschmack verleihen. An einem Rankgitter, entlang der zentralen Achse, wachsen horizontal gezogene Pflaumen und Reineclauden.

Etwas weiter liegt der Garten mit Halbstamm-Pflaumen- und Reineclaudenbäumen mit über 70 Sorten. Bis 1940 waren in Belgien Halbstammgärten, in denen Haustiere unter der Aufsicht der Bauernfrau weideten, sehr verbreitet. Heute sind diese Gärten verschwunden. Eine zwei Meter hohe Hainbuchenhecke begrenzt diesen Garten.

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Am Ende der langen Achse liegt ein gemischter hochstämmiger Obstgarten. Er beherbergt eine Sammlung von traditionellen Kochäpfeln und Birnen, Kirschen, Pflaumen und Walnüssen. Er ist ebenfalls mit einer Hainbuchenhecke umgeben. Davor befindet sich ein Garten, der sowohl gebräuchliche als auch ungewöhnliche Methoden des modernen Obstanbaus demonstriert.

Im letzten Bereich befindet sich das neu gebaute, traditionelle Obstlagerhaus aus Holz mit einem traditionellen Pilzkeller aus Ziegelsteinen. Der Museumsgarten von Gaasbeek ist ein "Fruchtbarer Garten" auf sehr hohem Niveau und von außergewöhnlicher Vielfalt. Das öffentliche und fachliche Interesse nimmt stetig zu. Mit der wachsenden Zahl von Besuchergruppen steigt auch der Bedarf, professionelle auswärtige Gästeführer auszubilden und sie für Führungen zu unterweisen.

Darüber hinaus gibt es eine wachsende Nachfrage nach Praxis-Kursen im Obstbaumschnitt, die alle Formen und Typen betreffen, vom Hochwuchsobstgarten bis zur "taille raisonnée" (bedachter Rückschnitt). Auf einer geführten Gartentour mit einem Gärtner kann der Besucher die flämische Gartenkunst zwischen 1860 und 1940 genießen und erfährt praxisnah, wie der Museumsgarten Gaasbeek die historische Tradition und Kunst des Obstbaumschnittes erhält und an Interessierte weitergibt.