Privatgarten Helmert


Ein märchenhafter Garten, der verzaubert

Bei den Überlegungen und Planungen zur Umwandlung der bisherigen Nutzgärten ging es dem Ehepaar Helmert nicht um bemühte landschaftsplanerische Originalität oder die Ansammlung von Pflanzenraritäten, sondern um die Verwirklichung eigenständig entwickelter Vorstellungen.

Helmert

Vor dem Hintergrund der gärtnerischen Erfahrung und der Beschäftigung mit Fachliteratur entstand der Wunsch nach einem Garten mit individuellem Charakter und besonderer Atmosphäre. Hierbei kam der Erinnerung an das in der Kindheit so verwunschen wirkende Grundstück der Großeltern mit seinem Rosengang ebenso eine Bedeutung zu wie etwa der Kenntnis der farbkompositorischen Prinzipien der englischen Gartenkünstlerin Gertrude Jekyll oder der Absicht, den vorgefundenen Baumbestand in die neue Anlage einzubeziehen.

Der Garten hat sich im Lauf der mit bemerkenswertem Enthusiasmus betriebenen intensiven Aufbau- und Pflegearbeit, die ohne wesentliche Fremdhilfe geleistet wurde und wird, zum oft ganztägig genutzten Lebensmittelpunkt der Familie Helmert entwickelt. Hier gibt es viele idyllische Plätze zur Entspannung und Ruhe, zum Essen oder zum Empfang von Gästen.

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Über den seitlich des Hauses liegenden Hof erreicht man, vom Blick auf die einen alten Birnbaum überwachsende weiße Rambler-Rose beeindruckt und so auf das kommende Gartenerlebnis eingestimmt, durch einen überrankten Bogen den „formalen Garten“. Er besteht nach bekanntem bodenständigem Muster aus einem Wegekreuz und von Buchsbaum eingefassten rechteckigen Beeten. Diese einfache Grundstruktur wird von einer überwältigenden Pflanzenfülle überspielt, die dem Bereich einen ganz eigenen Charakter verleiht. Entlang der Wege und in den Gevierten der etwas zurückgesetzten hohen Buchsbaumhecken stehen Stauden, Gräser, Farne und Blumen. Sie wachsen oft ineinander, aber nicht durcheinander; es wird sorgsam auf die Abstimmung der nicht zu bunten Farben und Tönungen geachtet, so dass ein harmonisches Gesamtbild entsteht. Bäume und Sträucher schaffen eine rahmende Begrenzung, während an den Endpunkten der Wegachsen Objekte oder Sitzgelegenheiten Blickpunkte bilden. Überhaupt sind im gesamten Garten zahlreiche Sitzplätze verteilt, die stets wechselnde Perspektiven bieten und den Aufenthalt bereichern.

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Auch der versetzt angeordnete anschließende „Rosengarten“ weist mit einem Mittelweg, der zum Rondell erweitert ist, eine formale Grundstruktur auf, deren Strenge durch die hier hüfthoch stehenden dicken Buchshecken gemildert ist. Der Bestand von 50 alten Rosensorten gehört in der Blütezeit im Juni zu den Höhepunkten des Gartens. Endpunkt der Wegachse ist ein Gartenhäuschen, das Klaus Helmert selbst entworfen und unter Verwendung alter Baumaterialien erbaut hat. Im Unterschied zu vergleichbaren alten Bauten in den kleinstädtischen Gärten der Region ist es oberhalb der Brüstung vollständig verglast. Außer dem dadurch stets freien Blick in die grüne Umgebung ermöglicht das Haus den längeren Aufenthalt im Garten bei kühler Witterung sowie im Frühling und Herbst.

Der „Grasgarten“ genannte landschaftliche Teil, der weitaus größer als die formalen Quartiere ist, wird von diesen durch Bäume, Sträucher und Hecken abgeschirmt. Der Eintritt durch eine mit Rosen und duftendem Jelängerjelieber überwachsene Pforte wird so zu einem überraschenden Moment, wenn sich der Blick in einen abwechslungsreich gegliederten weiten Raum öffnet. Der alte Baumbestand und Büsche in farbiger Abstufung, oft von Kletterpflanzen und immer wieder von Rosen überfangen, fassen die Abschnitte und bilden streckenweise Sichtschutz am Grundstücksrand, lassen aber auch Ausblicke in die umgebende Landschaft zu.

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Die einzelnen Bereiche sind locker miteinander verknüpft und unterschiedlich ausgestaltet – im „Sommerwohnzimmer“ finden sich Gartenmöbel, an anderer Stelle ein alter Schäferkarren, ein großer Steintisch für Familienmahlzeiten oder im „Töpfchengarten“ zahlreiche bepflanzte Töpfe aller Größen, variationsreich auf diversen Steinen und Ablagen arrangiert. Hier wird ein Element sichtbar, das in allen Gartenpartien in großer Vielfalt und Originalität anzutreffen ist und zu den prägenden Bestandteilen gehört: die Platzierung von Objekten verschiedenster Art als dekorative Ergänzung oder zur Akzentuierung bestimmter Punkte.

Dieses gezielte und überlegte Vorgehen schließt jedoch den Zufall und das Gewähren lassen nicht grundsätzlich aus. So wird etwa Sämlingen zunächst die Chance zum Wachsen gegeben und erst dann über deren Fortbestand entschieden. Oder es bleibt eine umgestürzten Weide belassen, so dass aus dem morschen Alten das Neue sprießen und Teil des Gartens werden kann.

Text: Gerd Fenner