Grugapark Essen


Der Garten

Der Grugapark zählt mit seinem sanft hügeligen Gelände mit altem Baumbestand zu den Überraschungen des Ruhrgebiets. Auf einem Rundgang durchwandert der Besucher u.a. den runden Dahliengarten mit Blick über das Waldtal und den Botanischen Garten, der neben einer Gehölzsammlung im Alpinium auch einen Wasserfall in drei Kaskaden und einen Teich beherbergt. Gärten für Rosen, Stauden und Exoten, ein Seerosenteich, ein Bauerngarten, ein Kräutergarten, ein Garten für die Sinne, ein Rhododendrontal und ein Garten mit Kletter- und Schlingpflanzen schließen sich an.


Städtebauliche Parkgeschichte

Im Jahre 1929 hat die Stadt Essen mit der „Großen Ruhrländischen Gartenbauausstellung“ eine kulturelle und identitätsstiftende Leistung für das Ruhrgebiet erbracht, die bis heute in der Region wirkt.

Es war nicht der Ausstellungsgedanke allein, der an die internationalen Kunst- und Gartenbauausstellungen des Jahrzehnts vor dem 1. Weltkrieg (Düsseldorf, Mannheim, Darmstadt) anknüpfte, sondern die Tatsache, dass sich das Ruhrgebiet mit dieser Gartenschau erstmals als kulturelle Einheit fühlte und zeigte.

Der Ballungsraum „Ruhrgebiet“ war von den wirtschaftlichen, sozialen und politischen Umschichtungen des 19. Jahrhunderts am stärksten betroffen und versuchte nun nach der wirtschaftsgeografischen Einheit auch eine kulturelle Einheit zu entwickeln.

Die „Große Ruhrländische Gartenbauausstellung“ - genannt Gruga - war ein wichtiger Schritt dazu. „Und sonntags in die Gruga“, dieser Slogan drückte über viele Jahre die Belohnung der Revierbürger für die Entbehrungen der letzten Kriegsjahre und die Jahre des Wiederaufbaus aus.



Die Gruga  entstand in den Jahren 1927 bis 1929 nach Plänen des Gartenarchitekten Johann Gabriel. 1927 begannen Notstandsarbeiter mit den Ausbauarbeiten. Wo heute Dahlien, Rosen und Rhododendron blühen, befand sich zu Beginn der 1920er Jahre ein Brach- und Sumpfgebiet.

In den nächsten zwei Jahren arbeiteten bis zu 1.000 Erwerbslose daran, die Brachflächen in eine Gartenlandschaft zu verwandeln. Von Essens Alleen gelangte jeder zweite Baum in die Gruga. Trotz zahlreicher Schwierigkeiten wurden die Bauarbeiten pünktlich zur Ausstellungseröffnung im Juni 1929 beendet.

Als besonderes Kennzeichen der Gruga von 1929 galten die thematisch eigenständigen Gartenbereiche. Durch Pappelreihen, Hecken, Mauern, Treppen und Pergolen waren sie voneinander abgegrenzt. Terrassenanlagen ermöglichten den Besuchern weite Ausblicke über das Ausstellungsgelände.

Auch damals schon machte die Gruga auf spezielle Ruhrgebietsprobleme aufmerksam: In Einzelgärten waren unter anderem rauchempfindliche und rauchunempfindliche Pflanzen ausgestellt. Auch Kleingartenbau und Kleintierzucht wurden gezeigt.



Über Kies flanierten die Besucher entlang der Sommerblumenterrassen zur Dahlienarena, hörten Musik vor dem Radioturm – heute Grugaturm – und bewunderten die Wasserkunst. Das Rosencafé und die Grugaterrassen luden zu Kaffee, Kuchen und Tanz ein. Wenn es dunkel wurde, waren die Wasserspiele und Brunnen beleuchtet.

Der Landschaftsgärtner Dr. h.c. Ernst Schröder schrieb damals in der „Rheinischen Gärtnerbörse“ über den „Ruhrländischen Gartensommer“, und er brachte damit die Empfindungen der Besucher auf den Punkt:

„Das Industriegebiet ist längst nicht so finster als sein Ruf, im Gegenteil, Natur und Gartenkunst haben es in wundervoller Weise verstanden, eine Synthese zu finden, in der die gewaltige Melodie schwerindustrieller Arbeit zusammenklingt mit dem Sehnen des Menschen nach Wald und Wiese, nach Blumen, Licht und Freude.“

Überlegungen zur Erweiterung des Gruga-Geländes scheiterten Anfang der 1930er Jahre zunächst an der sich verschlechternden wirtschaftlichen Situation. Es waren dann die nationalsozialistischen Machthaber, die Ort und Thema instrumentalisierten und 1938 die Gruga zum Ort der „2. Reichsausstellung des deutschen Gartenbaus“ machten. Das Gelände wurde nun auf 47 ha erweitert. Neue Attraktionen waren die dampfbetriebene Liliputbahn, ein Streichelzoo und der tägliche Frühsport. (Dies und die Abendveranstaltungen veranlassten fast drei Millionen Menschen, die „2. Reichsausstellung des deutschen Gartenbaus“ zu besuchen.)

Im 2. Weltkrieg wurde das „Blumenwunder an der Ruhr“ in eine Trümmerlandschaft gebombt. Die nahen Städtischen Krankenanstalten nutzten das Gelände bis zur Währungsreform 1948 für den Anbau von Gemüse und Kartoffeln, um ihre Patienten verpflegen zu können.



1951 beschloss die Stadt Essen dann, die Gruga wieder aufzubauen; und wieder war es eine Gartenbausausstellung, die es erlaubte, dieses Ziel zu erreichen. In knapper Vorbereitungszeit und bei fehlenden finanziellen Mitteln entstand im Jahr 1952 eine neue „2. Große Ruhrländische Gartenbau-Ausstellung“. Wenn auch anstelle der streng geometrischen Formen von 1929 und 1938 nun auf dem Gelände eine Landschaft mit sanft geschwungenen Rasenflächen und großzügigen Ausblicken entstand, so waren Gestaltung und Nutzung doch eher von dem restaurativen Zeitgeist der Nachkriegsjahre geprägt. So dauerte es bis in die 1960er Jahre bis sich die Konturen der pluralistischen Freizeitgesellschaft abzeichneten und eine neue Park- und Freizeitpolitik herausforderten. Der Grugapark sollte neben der beschaulichen Naturbetrachtung nun zusätzlich aktive Erholung ermöglichen. Wieder verwandelte eine Gartenbauausstellung die Gruga und erweiterte sie durch neue Sport- und Freizeitbereiche auf 70 Hektar Gesamtfläche.

Im Rahmen dieser Bundesgartenschau 1965 wurde eine Straße verlegt, die alten und die neuen Parkteile verbindende Landschaftsbrücken gebaut, ein trennendes Waldtal wurde zum verbindenden Margarethensee und Sport- und Spielbereiche wurden großzügig in den Park integriert. 1985 wurden Glaspyramiden an der Stelle der alten Pflanzenschauhäuser errichtet und somit konnten auch Pflanzen aus südlichen Klimaten in einem modernen Ambiente präsentiert werden.

Um dem Bedürfnis nach einem Forum für kulturelle Ereignisse zu entsprechen, entstand 1987 die neue Orangerie. Hier finden seitdem regelmäßig Aufführungen und Ausstellungen statt.

Mit der Gartenschau von 1965 und den nachfolgenden Ergänzungen erreichte die Gruga ihre heutige Gestalt. Der Botanischer Garten und die zoologischen Einrichtungen zeigen auch ökologische Zusammenhänge und die Bedeutung von Natur- und Artenschutz.

Der Grugapark ist heute ein lebendiger Park mit großer Tradition. Neben Beschaulichkeit und Entspannung im Grünen stehen Orte zum Flanieren und Angebote zum aktiven Sport und Spiel. Freizeit – und Kulturprogramme runden das Angebot ab.