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Gartenland MünsterlandDie Gärten und Parks im Münsterland waren über viele Jahrzehnte ein unentdeckter Schatz, der erst allmählich wieder in das Bewusstsein der Menschen rückt. Obwohl das Gärtnern seit langem eine Lieblingsbeschäftigung der Deutschen ist, war die Frage nach der Geschichte der Gartenkunst im Münsterland lange Zeit eher etwas für Fachleute. Dies hat sich in den letzten Jahren entschieden geändert. Deutlich wird dies z.B. am Interesse an den Veranstaltungen, Führungen und Publikationen, die u.a. der Landschaftsverband Westfalen-Lippe und hier insbesondere das Westfälische Amt für Landschafts- und Baukultur durchführt bzw. herausgibt. Über die Gartenkunst in Westfalen ist in den letzten Jahrzehnten (eher) wenig berichtet worden. Die baulichen Anlagen der Wasserburgen und Wasserschlösser im Münsterland sind zwar bekannte Ziele für den sonntäglichen Ausflug. Als eigenständige Gartenkunst dagegen werden die Gärten und Parks nur selten wahrgenommen. Dabei hat auch der Adel Westfalens großen Wert auf repräsentative Gartenanlagen gelegt, wie dies Beispiele seit dem Barock zeigen (z.B. Park Burg Hülshoff, Schlosspark Nordkirchen, Bagno-Park). Ab dem 18. Jahrhundert, zur Zeit des Absolutismus, sind großartige Leistungen der Gartenkunst belegt, die heute oft nur noch als Pläne überliefert sind. Seinerzeit wurden von Adel und Klerus Gärten und Parks angelegt, die häufig über Alleen und Wälder weit in die Landschaft ausstrahlten (z.B. Schlosspark Nordkirchen). Oft standen im Münsterland bis heute erhaltene “historische Tiergärten“ im Zusammenhang mit diesen Anlagen (z.B. Historischer Tiergarten Raesfeld). Ab der 2. Hälfte des 18. und im 19. Jahrhundert, zur Zeit der Aufklärung, wandelten sich die Gartenideale von einem streng-geometrischen zu einem natürlicheren, landschaftlich geprägten Stil. Mit dem Aufkommen der bürgerlichen Bildungsideale im Verlauf des 19. Jahrhunderts rückte auch im Münsterland die Anlage von allgemein zugänglichen Volksgärten und Parks in den Mittelpunkt des Interesses (z.B. Botanischer Garten Münster). Die Urbanisierung der großen Städte wie Münster machte Grünflächen als Naherholungsräume notwendig. In den kleineren Städten (Warendorf, Beckum) wurden begrünte Stadtplätze mit Denkmälern und Erinnerungstafeln angelegt. Die bis dahin weitgehend klar voneinander abgrenzbaren Gestaltungsstile mischten sich auch in Westfalen im ausgehenden 19.Jahrundert und im frühen 20. Jahrhundert zu einem Stilpluralismus, der bis heute das Erscheinungsbild vieler Gärten und Parks prägt. Erst in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts entstand mit dem „Naturgarten“ ein neuer, von der Ökologiebewegung stark beeinflusster Gartenstil, bei dem die Ästhetik zu Gunsten von künstlichen Kleinstbiotopen in den Hintergrund trat, z.B. Emsauenpark in Telgte. In den letzten Jahren ist teilweise wieder eine verstärkte Hinwendung zu formal gestalteten Parkanlagen zu beobachten. Oft sind gebrochene geometrische Figuren die Grundidee der Gestaltung (z.B. Salinenpark Rheine und Vier-Jahreszeiten-Park Oelde). Für die Zukunft will der Landschaftsverband den kulturhistorischen Wert, der in den Gärten und Parkanlagen steckt, auch in den übrigen Regionen Westfalens herausarbeiten und für die Regionalentwicklung nutzbar machen. Schließlich ist die Gartenkunst ein Kulturgut, von dem jeder auf seine Art ideell, kulturell oder wirtschaftlich profitiert - Besucher, Kommunen und Regionen, Nachbarn und Bürger sowie die Eigentümer der Gärten. Insbesondere bei den privaten Eigentümern im Münsterland ist eine große Bereitschaft festzustellen, sich für den Erhalt ihrer Anlagen einzusetzen und sie teilweise der Öffentlichkeit zugänglich zu machen (z.B. Schlosspark Anholt, Schlossgarten Hovestadt, Gärten am Haus Wellbergen).
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