Gartenroute Rheinland: Planung für einen neuen Garten (Fortsetzung)




In Zusammenarbeit des auf der Raketenstation arbeitenden Künstlers Katsuhito Nishikawa mit dem Gärtner der Stiftung Insel Hombroich, Burkhard Damm, entstand eine Lösung, die das Formale mit den gärtnerischen Ansprüchen verbindet:

Als Schutz vor dem rauen Klima und der übergroßen Anzahl an Kaninchen der Raketenstation wurde ein 24 x 24m großes Quadrat von einer 2m hohen Betonmauer umschlossen.

Das Herz des Gartens ist die in der Mitte liegende Anbaufläche: das Labyrinthus Mundani amoris (Labyrinth der Weltliebe)

Matteo Silvaggi erschuf 1542 in Venedig einen Holzschnitt, auf dem das Labyrinth zu sehen ist, welches Vorbild ist für die innere Ordnung des Gartens. Auf 50cm breiten und 240m langen Wegen durchzieht das Labyrinth den Raum und erschließt über 300m lange und 1m breite Beete für Kräuter und Gemüse. Endpunkt des Labyrinths und zugleich Mittelpunkt des Gartens ist ein Wasserbecken, Sinnbild des Lebens, zugleich Quelle für die hier kultivierten Pflanzen.

Während die Wände des Gartens von außen als klare Betonwand in Erscheinung treten, wandelt sich das Bild im Inneren des Gartens vollständig: Angelehnt an die Betonwände stehen hier Obstbäume (alte Apfelsorten, Birnen, Feigen, Quitten) als Spalierbäume geschnitten. Sie nutzen die Abwärme der Mauern gleich einem Weinberg und bilden im Frühjahr an den sonnenzugewandten Seiten einen blühenden Vorhang, im Sommer und Herbst einen Grünen Teppich mit unterschiedlichen Früchten. Am Fuße des Spalierobsts können zusätzlich besonders wärmeliebende Kräuter wachsen.

Ganz der Tradition alter Klostergärten verpflichtet, wird im Klostergarten Hombroich mit Pflanzen aus aller Welt experimentiert. Hier werden von den Gärtnern der Stiftung Insel Hombroich alte Kulturtechniken mit neuen Erkenntnissen weiterentwickelt, die Pflanzen der heute bekannten Welt in einen eigenen Kosmos zusammen gefügt. Kräuter und Gemüse aus Japan, die in unserer Küche derzeit nicht vorkommen, südamerikanisches Gemüse, deren Geschmacksvielfalt hierzulande noch unbekannt ist, alte, geschätzte Obstsorten, die nahezu verschwunden sind, werden hier gedeihen und das Nahrungsangebot reichhaltiger und erlebnisreicher machen.

Die Ruhe des Ortes ist wesentliche Voraussetzung für ein intensives Erleben des Gartens, gleich ob beim Betrachten oder Arbeiten. Als hortus conclusus stellt der Raum eine Möglichkeit zur inneren Einkehr dar. Auf den Windungen des Labyrinthes wird der Besucher mit unterschiedlichsten Gerüchen, Farben und Formen aus der Alltagswelt geholt. Beim Arbeiten mit den Händen können - in der Tradition des heiligen Benedict - grundlegende Erfahrungen vom Pflanzen, Wachsen, Ernten und Essen gemacht werden.

Sowie die Herkünfte der Pflanzen immer unbedeutender werden, wird eine Einteilung in Zier und Nutzpflanzen hinfällig. In diesem Garten für die Sinne wird es immer etwas für die Nase, den Gaumen und die Augen geben, nicht laut, eher leise aber nicht stumm...

Quelle: Newsletter Stiftung Insel Hombroich, 16. Januar 2007

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