INTERREG IIIB NWE und EGHN


 

In allen Regionen Europas gibt es Parks und Gärten: Einige haben international hohen kulturhistorischen Rang, andere sind von eher regionaler Bedeutung, einige überzeugen mit herausragenden Pflanzensammlungen, andere durch ihren Gesamtentwurf oder die Geschichte der Menschen, die dort gewirkt oder gelebt haben. Für Besucher ist jede Anlage auf ihre Art ein Erlebnis, wobei Erwartungen und Stimmungen auch von der umgebenden Kulturlandschaft bestimmt werden. Der Besucher nähert sich einem Garten an der Loire, in der Hitze Spaniens oder an den oberitalienischen Seen anders als einem Garten in der hügeligen englischen Landschaft oder in der flachen Landschaft des Niederrheins.

Vor dem Hintergrund dieser Vielfalt war es für das European Garden Heritage Network kein Nachteil, dass mit der Förderung aus dem INTERREG-IIIB-Programm für Nordwest-Europa ab 2003 sein Arbeitsfeld zunächst auf Großbritannien und Irland, die Niederlanden, Belgien und Luxemburg sowie Teile Frankreichs und Deutschlands beschränkt wurde. Eine räumliche Einschränkung, die mit dem Auslaufen der Förderung seit 2009 kontinuierlich abgebaut wird.

Für die Partner und Förderer des EGHN stehen überwiegend die noch unbekannteren Parks und Gärten im Mittelpunkt. Dies nicht nur, weil sie es wert sind, entdeckt zu werden, sondern weil sie allen Besuchern einen angenehmen Aufenthalt und ungestörten Genuss bieten können sowie über Potenziale für ihre Weiterentwicklung und stärke Inwertsetzung für die Region verfügen. Solche Parks und Gärten gibt es viele: So sind z.B. allein für England im Register of Parks and Gardens of special historic interest in England (verwaltet durch English Heritage) fast 1.450 Anlagen gelistet. Bestandsaufnahmen in Nordrhein-Westfalen dokumentieren ebenfalls eine erstaunlich hohe Zahl zugänglicher, historischer Gartenanlagen.

Das INTERREG-IIIB-Programm für Nordwest-Europa sprach ausdrücklich von der Bedeutung einer historischen Umwelt und stellte Mittel für den Schutz und die kreative Aufwertung von historischen Stätten, Monumenten und Kulturlandschaften bereit. Die Förderung des kulturellen Erbes als Potenzial für die wirtschaftliche Entwicklung war dabei nur ein Aspekt. Zudem wollte das Programm lokale und regionale Identität stärken und Kultur als unverzichtbares Element in der Entwicklung der Gesellschaft hervorheben und fördern.

Damit nahm das INTERREG-IIIB-Programm frühzeitig Tendenzen auf, die sich in Planungs- und Entwicklungskonzepten, aber auch in der Wahrnehmung in Politik und Gesellschaft erst später durchzusetzen begannen: Kulturelles Erbe und Denkmäler sowie die Kulturlandschaft allgemein sind nicht nur schützenswert an sich, sondern sie können für nachhaltige Regionalentwicklung, die den Ausgleich zwischen Ökonomie, Ökologie, sozialer und kultureller Verantwortung zur Handlungsmaxime erklärt hat, als Potenziale besonderer Qualität in Wert gesetzt werden und positive Entwicklungen anstoßen oder stärken.

Das European Garden Heritage Network hat diese Vorreiterrolle des INTERREG-Programms weiterentwickelt in dem Sinne, dass Parks und Gärten mit der sie umgebenden Kulturlandschaft ins Zentrum seiner Konzepte und Maßnahmen gestellt wurden.

Die Chancen einer breiten Unterstützung aus Politik, Wirtschaft und Bevölkerung und damit meist auch die Verfügbarkeit von Finanzmitteln steigen, wenn es gelingt, das Bewusstsein für die einmaligen Qualitäten von Parks und Gärten - zum Beispiel durch neue Informations- und Ausbildungskonzepte - zu steigern, neue Besuchergruppen zu gewinnen, die Erreichbarkeit und Aufenthaltsqualität zu verbessern sowie Parks und Gärten als Teil der Kulturlandschaft und regionalen Ökonomie in lokale und regionale Entwicklungskonzepte einzubinden. Historische und neue Parks bieten hierfür vielfältige, sich oft ergänzende Ressourcen, die es aktiv in Wert zu setzen gilt.

In den Regionen und in den Parks und Gärten des EGHN fanden sich hierfür bereits frühe Beispiele. Hierauf aufbauend und mit innovativen Ideen, die sich aus der internationalen Zusammenarbeit ergaben, entwickelte und testete das European Garden Heritage Network im Rahmen des INTERREG-Programms modellhafte Innovationen, die dank ihrer Übertragbarkeit auch in anderen Regionen Europas zur Aufwertung von Parks und Gärten und zur Steigerung der Zufriedenheit ihrer Besucher beitragen.