Burggarten am Dornröschenschloss Sababurg


Der Garten

Der Überlieferung nach, deren Wahrheitsgehalt allerdings durch nichts zu belegen ist, sollen die Brüder Grimm einen Teil ihrer Märchen im Torbau der Sababurg aufgeschrieben haben. Diese Geschichte führte zur Einrichtung eines „Märchenmuseums“ in der 1960 eröffneten Gaststätte und schließlich zur Verknüpfung der Sababurg mit dem bekannten Märchen „Dornröschen“ der Brüder Grimm. Wegen dieser Bezugnahme sind auf dem Burggelände zahlreiche Rosen angepflanzt worden, so dass das Märchenmotiv von der Dornenhecke, die das Königsschloss umwächst, durch die imposante Kletterrose am Ostturm des Palas zum realistischen Bild wird.

Sababurg

Auch in dem von Mauern umschlossenen, aber schöne Ausblicke gewährenden Burggarten, sind Rosen in Gruppen zwischen den Bäumen oder als Kletterrosen anzutreffen. Es handelt sich dabei durchweg um alte Rosensorten, deren Duft, Blütenfarbe und -form den erwünschten märchenhaft-verzauberten Charakter des kleinen Gartens bewirken sollen. Unter Beratung des Vereins „Roseninsel Park Wilhelmshöhe“, wurden etwa Apothekerrose, Mairöschen oder die Zentifolie „Petite Hollande“ ausgewählt. Am Ostturm des Palas beeindruckt die etwa 12 Meter hohe und 10 Meter breite „Kiftsgate“-Rose, eine Kletterrose des Himalajas, deren kleine Blüten Mitte Juni in vollem Flor stehen. Ein Rosenbogen am östlichen Ausgang des Gartens komplettiert die vielfältige Präsentation der Königin der Blumen und ist beliebter Platz für Fotos der Brautpaare, die sich im Schloss trauen lassen können.

Alte Kultursorten bestimmen auch die Auswahl der Blumen und Stauden sowie der hier gepflanzten Heil- und Gewürzkräuter. Der Besucher findet ab Juni Sommerblumen wie beispielsweise Königskerzen, Malven oder Goldlack und an Stauden Rittersporn, Pfingstrosen oder Akelei. Dem um 1960 als eine Art Landschaftsgarten in Kleinformat angelegten Bereich wurde vor 20 Jahren eine neue Gestalt gegeben, bei der man formale Elemente stärker betont. Vom Portal führt ein gerader, beidseitig von dicht bepflanzten Rabatten begleiteter Hauptweg zu einem kleinen Platz und von dort im Versprung ebenfalls geradeaus zum Rosenbogen.

Sababurg

An dem Platz, der ebenfalls von Rabatten eingefasst ist, erinnert ein aus Natursteinen errichteter Brunnen an das zum Gedeihen aller Gärten unerlässliche Wasser. Kleinere Seitenwege erschließen das Gelände und führen zum alten Schalenturm am Burggraben. Im hinteren Bereich bildet eine halbkreisförmige Hainbuchenlaube einen gern aufgesuchten Ruhe- und Aussichtspunkt, von dem der Garten gut zu überblicken ist.

Im Kräuter- und Küchengarten hinter dem Restaurant werden, wie im Burggarten, alte Gewürz- und Heilkräuter von Basilikum und Bohnenkraut bis Wermut und Ysop kultiviert. Durch den Staketenzaun, eine Trockenmauer und die regelmäßige Form und Anordnung der Beete ist hier das Bild eines traditionellen Nutzgartens geschaffen, wie er früher in der Region überall zu finden war.

Das Anliegen, alte Qualitäten zu erhalten und auch unter ökologischen Aspekten wiederzubeleben zeigt sich schließlich in der Pflege der Streuobstwiesen außerhalb der Burg. Der noch vorhandene Bestand soll bewahrt und durch Neupflanzungen regionaler Sorten ergänzt werden.

Sababurg

Unterhalb der Sababurg ist der 1570 von Landgraf Wilhelm IV. angelegte Tierpark erhalten. Das 130 Hektar große Gelände wurde bereits 1590 mit der noch heute erhaltenen Mauer umgeben. Der Landgraf hielt hier einheimisches Wild zur Jagd und versuchte mehrfach mit erheblichem Aufwand auch standortfremde Tiere hier anzusiedeln. Die Gämsen und Steinböcke aus Bayern sowie die Elche und Rentiere aus Schweden gingen jedoch fast ausnahmslos bald ein.

Im 18. Jahrhundert wurde mitten im Tierpark zu Jagdzwecken ein Rondell mit sechs von dort ausstrahlenden Schneisen angelegt. Dieser charakteristische barocke „Jagdstern“ prägt noch heute das Bild des Geländes, auch wenn durch die weitgehende Abholzung des alten Waldes ab 1790 aus den Schneisen Alleen geworden sind. Seit 1973 wird der Tierpark wieder zur Unterbringung von Tieren verwendet. In der vom Landkreis Kassel getragenen Einrichtung sind vom Aussterben bedrohte heimische Wildtiere und Haustierarten sowie Rückzüchtungen zu sehen.

Text: Gerd Fenner