Gartenanlagen am Haus Welbergen

                                     
Die siebenhundertjährige Geschichte von Haus Welbergen spiegelt sich in den Bauwerken und den historischen Garten- und Landschaftsgestaltungen des alten Herrensitzes wider. Für die Wasserburg und die dazugehörigen Ländereien war es ein enormer Glücksfall, dass 1929 das niederländische Ehepaar Jan und Bertha Jordaan-van Heek die gesamte Anlage erwarb.

Bei einem Besuch von Haus Welbergen ist besonders ein Spaziergang durch den öffentlich zugänglichen Außenbereich entlang der ausgedehnten Gräften und ein Besuch der Vorburg mit ihren anspruchsvoll gestalteten Gärten empfehlenswert.

Im Nordosten des Anwesens liegt hinter der Mühle eine lang gestreckte Gartenfläche, die - vergleichbar mit einer barocken Garteninsel - zum größten Teil von einer Gräfte begrenzt wird. Zwei 1730 datierte Torpfeiler markieren den Eingang zum Garten. Bis heute haben sich von der historischen Gestaltung am nordöstlichen Rand des Gartens ein kleiner, als zentraler Blickpunkt errichteter Pavillon und mehrere alte Bäume erhalten. Wahrscheinlich gehören die als Naturdenkmale unter Schutz gestellten Bäume, zu denen eine mächtige Platane, eine große Eibe und eine knorrige Esskastanie gehören, noch zur Bepflanzung des barocken Gartens.

Ob es sich bei dem inzwischen mit Obstbäumen bepflanzten und als Bienenweide genutzten Garten um einen ehemaligen Lustgarten oder um einen großzügigen Wirtschaftsgarten handelt, ist bisher nicht bekannt. Belegt ist aber eine Pflanzenrechnung für Haus Welbergen aus dem Jahre 1740, die eine Lieferung von Tulpen- und Hyazinthenzwiebeln sowie Tabakpflanzen aus dem holländischen Haarlem auflistet. Zudem werden in einem 1871 verfassten Brief mehrere Pomeranzen (Orangenbäume) erwähnt. Wo die anspruchsvoll zu kultivierenden Pomeranzen aufgestellt waren und wie man sie überwinterte, muss bisher offen bleiben.

Außerhalb der Gräfte wird der Zugang in einen weiteren interessanten Gartenbereich wiederum durch zwei 1730 aufgestellte Torpfeiler markiert. Vorbei am Kornspeicher verläuft der Weg zwischen der Hausgräfte und dem Gauxbach durch eine landschaftlich gestaltete Anlage mit schönen Solitärgehölzen und zahlreichen alten Rhododendren. Dieser Bereich gehörte einst zum vorgelagerten Wall der stark befestigten Wasserburg. Vermutlich wurde der Wall mit dem barocken Ausbau des Herrensitzes durch Franz Caspar Cajetan Bucholtz eingeebnet und im Laufe der Zeit mit verschiedenen Gehölzen bepflanzt. Bis auf eine mächtige alte Buche an der Südostecke des ehemaligen Wallbereichs wurden die meisten Solitärgehölze und die Rhododendren im 19. und frühen 20. Jahrhundert gepflanzt.  

Der weitere Weg führt entlang dem Gauxbach durch ein kulturlandschaftlich interessantes Waldgebiet mit einem ausgedehnten Gräftensystem. Noch im 19. Jahrhundert war die vom Bachlauf und zwei Gräftenarmen umschlossene Fläche im Süden der Wasserburg nicht bewaldet und wurde vermutlich als Weide oder als Bleiche genutzt. Wahrscheinlich hat man das weitläufige Gräftensystem zur besseren Verteidigung des Herrensitzes und zur Wasserhaltung der breiten Hausgräfte angelegt. Möglich wäre aber auch die Gestaltung als Tiergarten zur jagdlichen Nutzung im 17. oder 18. Jahrhundert. Von der Familie Bucholtz ist jedenfalls überliefert, dass sie zwar bürgerlicher Herkunft war, aber durchaus einen adeligen Lebensstil führte.

Beim Spaziergang über die gepflegten Wege des Waldes können aufmerksame Besucher noch zahlreiche Einzelheiten der historisch gewachsenen Kulturlandschaft entdecken. Ein historisches Gartenelement ist auch eine alte Hecke aus durchgewachsenen Hainbuchen, die an drei Seiten eine große rechteckige Fläche umgrenzt.

Heute sind die Gartenanlagen auf der Vorburginsel für die meisten Besucher das attraktivste Ausflugsziel. Anstelle der einst mitten auf dem Hof stehenden Wirtschaftsbauten und zwei unmittelbar an die Nordmauer angebauten Gebäuden hat die Stiftung ab 1962 einen geometrischen Garten angelegt, der historischen Vorbildern nachempfunden ist. Die Planung für die stimmungsvolle Anlage lieferte das Westfälische Amt für Landespflege aus Münster mit dem damaligen Leiter Egon Barnard. Zur Gartenplanung dieser Zeit gehört auch der Brunnen im Zentrum des Gartens, der nach Vorbildern aus der Renaissance angefertigt wurde. Der Garten ist besonders zur Zeit der Stauden- und Rosenblüte während der Sommermonate ein reizvolles Besucherziel.

Jenseits der Marienkapelle ist noch ein kleinerer Gartenbereich, der bis ins Zeitalter der Renaissance nachweisbar ist. Lange Zeit wurde der Garten vermutlich als Nutzgarten bewirtschaftet und erst im 19. Jahrhundert in eine kleine landschaftliche Anlage mit ausgewählten Solitärgehölzen umgestaltet. Zu den ältesten Pflanzen gehören heute ein alter Buchsbaum und ein auffällig beschnittener Eschenahorn. An der Südseite der Marienkapelle befindet sich am Rande des kleinen Gartens ein geschützter Sitzplatz zum Aufenthalt im Freien.

Haus Welbergen hat als stimmungsvoller Ort für internationale Tagungen und Begegnungen einen weit über Westfalen hinaus reichenden Ruf und wird auch von Besuchern aus den benachbarten Niederlanden geschätzt.

Den lohnenden Spaziergang durch die interessanten Außenanlagen können Besucher mit einer Einkehr in das Gasthaus "Alte Poststation" verbinden. Das Gebäude stand ursprünglich in der Nähe des Dorfes Welbergen und wurde erst 1966 an den heutigen Standort an die Straße versetzt, die in ihrem Verlauf dem ehemaligen Postweg von Münster über Gronau ins niederländische Zwolle folgt.