Den Text der Laudatio von Lieneke van Campen finden Sie hier als Download.
Der von Wagon Landscaping und Gilles Clément gestaltete Gedenkgarten für die Anschläge von Paris erinnert an die Ereignisse vom 13. November 2015 und befindet sich im Herzen der Stadt. Er liegt jedoch nicht an einem der Orte, die an jenem Tag Ziel der Anschläge waren. Stattdessen wurden die sechs Orte an einem einzigen Ort zusammengeführt. Der Garten soll die Erinnerung an jene Nacht bewahren.
Die Grundrisse der sechs Orte und ihrer unmittelbaren Umgebung wurden aus dem Stadtplan herausgelöst und bilden das strukturelle Gerüst des Gartens. Aus dem aufgewühlten, fragmentierten, steinigen Boden von Paris entsteht ein Raum der Ruhe und Klarheit. Wenn Besucher durch den Garten gehen, können sie ein Gefühl von Vertrautheit und Entfremdung zugleich erleben. Einst waren es gewöhnliche Orte – wie Cafés, Konzertsäle und Straßenecken –, die nun fremd geworden sind und an den Moment erinnern, als der Alltag plötzlich zerbrach.
Die Vegetation spielt in dieser Landschaft eine zentrale Rolle. Steingartenpflanzen ragen aus dem chaotischen Granitboden empor und symbolisieren die Wiedergeburt sowie die fortdauernde Präsenz des Lebens nach den Anschlägen.Dies ist ein Ort, an dem Menschen ihre Orientierung finden oder verlieren können. Er ist ein Ort zum Spazierengehen, zum Nachdenken und zum Spielen für Kinder. Nach dem Regen baden Vögel in den flachen Steinbecken. Dieser Garten ist ein Ort der Erinnerung und eine Hommage an das Leben. Nachts wird der Garten sanft beleuchtet. Die kleinen Lichtpunkte bilden eine Konstellation, die an den Sternenhimmel in der Nacht des 13. November 2015 erinnert.
Die Jury war beeindruckt davon, wie der Gedenkgarten Erinnerung, alltägliche Nutzung und (stadt)landschaftliche Qualität auf so zurückhaltende und menschliche Weise vereint. Der Entwurf bietet eine moderne Antwort auf kollektives Trauma, indem er Ruhe, Besinnung und soziale Resilienz in die Stadtlandschaft integriert.
