Mit diesem Themenfeld vermittelt das Projekt theoretische Grundlagen und praktisches Expertenwissen zum Bereich „Teiche und Brunnen in historischen Gärten”. Es bietet eine Einführung und technische Einblicke in die Entwicklung von Wasserspielen und Wasserbewirtschaftungsmethoden in der Geschichte. Es zeigt verschiedene Beispiele für die Gestaltung mit Wasser und das Wassermanagement in der Vergangenheit und in verschiedenen Regionen Europas.
Paleis Het Loo in den Niederlanden war ein idealer Standort für den Workshop zu diesem Themenfeld. Viele europäische Gärten wurden von niederländischen Entwürfen beeinflusst. Im Park von Het Loo und im weiteren Umfeld konnten wir die Rolle von Gewässern, Springbrunnen und Wasserleitungen in historischen Gärten, ihre technischen Hintergründe, ihre Erhaltung und Pflege bestens kennenlernen. Es zeigte sich auch wie sich der Klimawandel mit starken Schwankungen in der Wasserversorgung auswirkt. Längere Dürreperioden als auch zu Überschwemmungen sind dabei extreme Auswirkungen.
Das Webinar und der Workshop boten Expertenwissen zu folgenden Themen:
– Rückverfolgung alter Wassersysteme. Lesen der Landschaft und Einbeziehung der geologischen und kulturellen Geschichte der Region.
– Methoden zur Instandhaltung von erhaltenen, renovierten und restaurierten Brunnen und Wasserversorgungssystemen.
– Wie verbessern Gewässer das Mikroklima?
– Wie können wir ältere Wassermanagementmethoden nutzen, um aktuelle Probleme zu lösen?
– Erhaltung der Qualität/Reinheit des Wassers zur Erhaltung der biologischen Vielfalt.
Wir haben für Sie zwei Vorträge aus dem Webinar sowie ein Video aus dem Workshop zu diesem Themenfeld ausgewählt, für die wir die wichtigsten Inhalte zusammengefasst haben. Darunter finden Sie jeweils den Link zur Präsentation auf YouTube, zur deutschen Übersetzung der Transkription (überarbeitete KI). Sie finden dort auch Links zu weiterem Material des Projektes zu diesem Themenfeld sowie externe Links zum Thema, die wir empfehlen können. Für Ihre Hinweise zu weiteren Quellen sind wir dankbar.
Zusammenfassungen und Links
Dr. Lenneke Berkhout, Forscherin, Autorin, Niederlande:
Die Bedeutung des Wassers und der Beruf des Fountaineers (Brunnenbauers) im 17. Jahrhundert
Chris Cronin, Eigentümer von Croome Court, Großbritannien:
Restaurierungsarbeiten im Walled Garden von Croome Court – mit einem besonderen Fokus auf den zentralen Tauchteich (Dipping Pond).
Am Beispiel von Paleis Het Loo, zeigt die Referentin, Lenneke Berkhout, die Bedeutung der Wasserpeile in historischen Gärten auf sowie den Aufwand, der zu deren Unterhalt betrieben werden musste.
Die Höhe der Königlichen Fontäne in Paleis Het Loo war eben nicht nur ein technisches Meisterwerk, sondern auch ein Ausdruck politischer Macht und Rivalität im 17. Jahrhundert. Der Brunnen diente als symbolische Demonstration der Überlegenheit Wilhelms III. gegenüber Ludwig XIV. und zeigt, wie Gartenkunst und Wasserspiele auch diplomatische und propagandistische Funktionen erfüllten.
Die Rolle des Fountaineer als spezialisiertem Wasserwart verdeutlicht die technische Komplexität und den hohen Organisationsgrad, der für den Betrieb von Wasserspielen erforderlich war. Dies illustriert, dass Gärten damals nicht nur ästhetische, sondern auch ingenieurwissenschaftliche Meisterleistungen waren.
Das ausgeklügelte Wassersystem, das natürliche Gefälle und verschiedene Rohrmaterialien kombinierte, zeigt ein tiefes Verständnis hydraulischer Prinzipien im 17. Jahrhundert. Die Konstruktion solcher Anlagen erforderte interdisziplinäres Wissen und handwerkliches Können, das weit über die Gartenpflege hinausging.
Die Einbindung von acht Assistenten, darunter Handwerker wie Schreiner und Klempner, verdeutlicht die arbeitsteilige Struktur des Wassermanagements. Dies weist auf einen hohen Grad an Spezialisierung und die wirtschaftliche Bedeutung der Wasserspiele hin.
Das vergleichsweise hohe Gehalt des Fountaineers reflektiert die Wertschätzung seiner Tätigkeit und die gesellschaftliche Bedeutung technischer Berufe im Umfeld höfischer Gärten. Gleichzeitig offenbart es mögliche soziale Spannungen zwischen Fountaineer und Gärtnern, die um Anerkennung und Ressourcen konkurrierten.
Die Tatsache, dass Margaretha als Witwe von Rutger van Cleef das Amt des Fountaineers übernehmen durfte, zeigt einerseits die Einschränkungen für Frauen im 17. Jahrhundert, andererseits aber auch pragmatische Ausnahmen, die wirtschaftliche Notwendigkeiten über gesellschaftliche Normen stellten.
Der Niedergang der Wasserspiele nach dem Tod Wilhelms III. und die Übernahme der Aufgaben durch den Obergärtner verdeutlichen, wie politische und finanzielle Veränderungen technische Berufe und kulturelle Einrichtungen nachhaltig beeinflussen können. Die Sabotage durch lokale Müller illustriert zudem Interessenskonflikte zwischen unterschiedlichen Nutzern der Wasserressourcen.
Text: Deutsche Zusammenfassung des Vortrags (mit Hilfe von noteGPT.io)
Video (15:18): Mitschnitt des Vortrags auf YouTube (englisch)***
*** Eine automatische, deutsche Übersetzung erhalten Sie auf YouTube, wenn Sie auf „Einstellungen“ gehen, „Untertitel“ aktivieren, „Automatische Übersetzungen“ anklicken und dann „Deutsch“ auswählen.
Chris Cronin, Eigentümer von Chrome Court mit seinem Walled Garden, präsentiert in seinem Vortrag die umfassenden Restaurierungs- und Modernisierungsarbeiten im historischen Walled Garden, mit einem besonderen Fokus auf den zentralen Tauchteich (Dipping Pond). Er beginnt mit einer Würdigung von Susan Campbell, deren Unterstützung für das Projekt entscheidend war.
Der sechste Earl von Sentry, hat im 18. Jahrhundert maßgeblich die Entwicklung des Anwesens in Worcestershire vorangetrieben und den berühmten Landschaftsarchitekten Lancelot „Capability“ Brown engagiert.
Der Walled Garden, mit über sieben Acres (ca. 2,5 Hektar) Fläche der größte seiner Art zur damaligen Zeit, war bei der Übernahme im Jahr 2000 in einem desolaten Zustand. Die Glashäuser waren beschädigt, die Mauern baufällig und der Garten als Gesamtes über Jahrzehnte vernachlässigt und überwuchert. Besonders der Tauchteich, der ursprünglich als Teil des ausgeklügelten Be- und Entwässerungssystems von Brown diente, hielt kein Wasser mehr und war weitgehend unbeachtet, da andere dringlichere Restaurierungsarbeiten Vorrang hatten.
Ab 2007 begann ein umfangreiches Projekt zur Wiederherstellung der ursprünglichen Topografie, die aufgrund von Hangrutschungen verändert war. Dabei entdeckte man Browns ursprüngliche Landentwässerung aus dem Jahr 1764 und installierte eine moderne, durchlässige Drainage, die den Teich wieder mit Wasser füllte. Im Jahr 2011 wurde der Tauchteich schließlich vollständig gereinigt und die Einfassung mit originalen Steinen liebevoll restauriert. Um die Funktionalität und Nachhaltigkeit zu sichern, erhielt der Teich eine Betonbasis, die das Halten von Wasser langfristig garantieren soll.
Die Gartenwege wurden 2015 neu gestaltet, um den zunehmenden Besucherzahlen und der Barrierefreiheit gerecht zu werden. Dabei wurde ein ungewöhnliches und „quergedachtes“ Pfadlayout entwickelt, das dem Garten eine neue Identität und verschiedene funktionale Zonen verlieh. Um die Bewässerung des Gartens zu gewährleisten, wurden aufwändige unterirdische Kanäle gegraben sowie umfangreiche Infrastrukturarbeiten durchgeführt, die Wasserleitungen, Strom- und Datenkabel umfassten.
Die Wasserversorgung erfolgt heute über eine Kombination aus dem Tauchteich, zwei großen Wassertanks (je ca. 990.000 Liter Fassungsvermögen) und einem ebenfalls sanierten Brunnen. Der Brunnen wurde kürzlich von einer professionellen Firma mit großem Aufwand von Schlamm und Verunreinigungen befreit und auf eine Tiefe von 16 Metern erweitert, was eine nachhaltige Wasserentnahme auch bei Trockenperioden ermöglicht. Insgesamt steht nun eine Wasserkapazität von etwa 400.000 Litern zur Verfügung, die sich durch Regenwasser kontinuierlich regeneriert.
Für die Zukunft plant Chris Cronin, den Garten um einen Wassergarten mit einem neuen Wasserspiel zu erweitern. Dieses soll mit eigenen, kleineren Wassertanks unabhängig vom Hauptsystem betrieben werden, um die Ressource effizient zu nutzen. Es steht zudem ein ambitioniertes Projekt für eine Wasserfall-Kaskade an, die ebenfalls über ein eigenes Wasserspeichersystem verfügen soll.
Chris Cronin lädt Besucher ein, den Garten zu besichtigen und die Fortschritte der Restaurierung sowie die neue Wasserinfrastruktur zu erleben. Sein Vortrag kombiniert historische Wertschätzung, technische Expertise und eine nachhaltige Vision für die Zukunft des Walled Gardens.
Text: Deutsche Zusammenfassung des Vortrags (mit noteGPT.io)
Video (24:36): Mitschnitt des Vortrags auf YouTube (englisch)***
*** Eine automatische, deutsche Übersetzung erhalten Sie auf YouTube, wenn Sie auf „Einstellungen“ gehen, „Untertitel“ aktivieren, „Automatische Übersetzungen“ anklicken und dann „Deutsch“ auswählen.
Diverse Referierende und Teilnehmende am Workshop in Paleis Het Loo und Umland, Niederlande:
Teiche und Springbrunnen – Wasserbewirtschaftung großer Areale in Geschichte und Zukunft
Zusammenfassung des Videos
Der Workshop „Teiche und Springbrunnen – Wasserbewirtschaftung großer Areale in Geschichte und Zukunft“ bot eine umfassende und tiefgehende Auseinandersetzung mit dem Thema historische und moderne Wasserbewirtschaftung in großen Gartenanlagen. Die Verbindung von geomorphologischer Landschaftsanalyse, historischem Wissen und moderner Technik wurde exemplarisch am Standort Paleis Het Loo im niederländischen Apeldoorn illustriert.
Die praxisnahen Exkursionen und der intensive fachliche Austausch führten zu einem vertieften Verständnis der komplexen Zusammenhänge zwischen Wasser, Landschaft und Gartengestaltung. Darüber hinaus wurde die Bedeutung moderner Nachhaltigkeitskonzepte für den Erhalt und die Weiterentwicklung historischer Wasseranlagen herausgestellt.
Die Erfahrungsberichte der TeilnehmerInnen aus verschiedenen Ländern verdeutlichen, dass die Herausforderungen der Wasserbewirtschaftung global ähnliche Züge tragen und der internationale Austausch daher von großer Bedeutung ist. Das entstehende Netzwerk von Fachleuten fördert den Erhalt des grünen Kulturerbes und unterstützt die Entwicklung innovativer Lösungen für die Zukunft, wodurch historische Gartenanlagen lebendig und funktional bleiben können.
Materialien zu diesem Video
• Deutsche Zusammenfassung des Kommentars (mit noteGPT.io)
• Video (15:31): Mitschnitt des Workshops auf YouTube (englisch)***
*** Eine KI-basierte, deutsche Übersetzung erhalten Sie auf YouTube, wenn Sie auf „Einstellungen“ gehen, „Untertitel“ aktivieren, „Automatische Übersetzungen“ anklicken und dann „Deutsch“ auswählen.
Weiteres Material zum Themenfeld aus dem Projekt
Vorträge vom Webinar „Ponds and Fountains“ am 16.01.2024
Vortrag: Pump and Circumstance – Chanelling water to Versailles and Het Loo . (Pump und Circumstances – Wasserversorgung für Versailles und Het Loo).
Dr. Alette Fleischer, Researcher and author, AAF Art and History, United Kingdom
Vortrag: The role and importance of water in a flat landscape. The country estates near the Vecht and in the Beemster, the Netherlands. (Die Rolle und Bedeutung von Wasser in einer flachen Landschaft. Die Landgüter in der Nähe der Vecht und im Beemster)
Willem Zieleman, former head gardener, garden consultant
Vortrag: The first steam engines, examples from Hampton Court, Chiswick and Herrenhausen. (Die ersten Dampfmaschinen, Beispiele aus Hampton Court, Chiswick und Herrenhausen)
David Jacques, independent scholar and a consultant in historic landscapes, parks, and gardens.
Vortrag: Fountains and ponds driven by steam engines in the 19th century, stories from Potsdam. (Brunnen und Teiche, die im 19. Jahrhundert mit Dampfmaschinen betrieben wurden, Geschichten aus Potsdam).
Katrin Schröder, Garden curator in Babelsberg and Rheinsberg
Vortrag: ‚With a spade and a watering pot‘ – Capability Brown’s holistic approach to estate water management. („Mit Spaten und Gießkanne“ – Capability Browns ganzheitlicher Ansatz zum Wassermanagement auf Landgütern).
Steffie Shields, professional garden photographer, writer, and historic landscape consultant
Vortrag: Dutch Initiative ‘Climate-Resilient Estates’, a system approach, example Estate region Baakse Beek, province Gelderland. (Niederländische Initiative „Klimaresistente Landgüter“, ein systemischer Ansatz, Beispiel: Landgutregion Baakse Beek, Provinz Gelderland).
Louisa Remesal, program manager, Rijn and IJssel Water Board
Empfehlungen: Externe Links
„Die Wasserkunst und ihre wunderbare Geschichte.“ Publikation der Freunde der Herrenhäuser Gärten e.V. (2023). Autorin: Anke Seegert. Beschreibt die Herrenhäuser Wasserkunst als einzigartiges Technik- und Kulturdenkmal Europas. Enthält historische und technische Details zur Restaurierung und Funktionsweise. Download hier.
„Wasserlandschaften. Ökologien des Fluiden um 1800“. Springer 2025. Herausgeber: Roland Borgards, Frederike Middelhoff, Barbara Thums. Beiträge über Wasser, Landschaftsästhetik und Ökologie. Bezieht sich auf Literatur, Malerei und Musik, zeigt aber auch die kulturelle Bedeutung von Wasser in Garten- und Landschaftsgestaltung.
„Wasserkünste als Mittel barocker Repräsentation am Beispiel der Gärten von Hellbrunn, Versailles und Belvedere“. Bettina Stangel. Diplomarbeit 2014. Download hier.
„Barocke Brunnenkunst im Schlossgarten Weikersheim“. Webseite der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg.
„Ökosystemrenaturierung als landschaftsökologische Praxis. Wiederherstellung von Ökosystem- (ecosystem services) und Landschaftsleistungen (landscape services) in multifunktionalen Kulturlandschaften. Springer Nature 2024. Autor: S. Zerbe. Mehr Informationen.


