Bäume sind wichtige Gestaltungselemente und verleihen Parks und Gärten Struktur und Alter. Bäume haben direkte Vorteile für den Standort, die anderen Pflanzen und die Menschen, z. B. indem sie Schatten spenden oder die Luftqualität verbessern.
Während Bäume jahrzehntelang vergleichsweise nur wenig Pflege benötigten, geben viele von ihnen seit einigen Jahren Anlass zur Sorge oder sind bereits zu Patienten in der Gartenpflege geworden. Der Klimawandel mit hohen Temperaturen, sehr geringen Niederschlägen, sinkendem Grundwasserspiegel oder zunehmenden Sturmereignissen usw. hat zu einem raschen Anstieg von Krankheiten und zum Absterben vieler Bäume geführt – oft gerade der sehr alten und denkmalgeschützten Bäume.
Das Projekt hat sich in diesem Kontext mit folgenden Aspekten beschäftigt:
• Bedeutung von Bäumen für das kulturelle Erbe unserer Parks und Gärten in verschiedenen Epochen
• Historische Anbau-, Pflanz- und Pflegetechniken in der Gestaltung mit Bäumen
• Herausforderungen im Umgang mit Bäumen im Klimawandel
Speziell wurden auch Erkenntnisse und praktische Anleitungen zu folgenden Themen vermittelt:
• Kartierung: Wie man moderne Systeme zur digitalen Erfassung des Baumbestands im Park nutzt, um die historischen Absichten und die Entwicklung des Baumbestands zu verstehen
• Baumkontrolle: Wie man den Bestand einzelner alter Bäume und beschädigter Bäume untersucht
• Verstärkung und Revitalisierung: Wann und wie man den empfindlichen Baumbestand revitalisiert
• Praktische Baumpflege: Verwendung visueller Analysen der Bäume, um ihren Zustand zu verstehen und Pflegestrategien zu finden
• Bepflanzung unter Bäumen: Verbesserung der Standortbedingungen durch Bepflanzung unter alten Bäumen
Wir haben für Sie zwei Vorträge zu diesem Themenfeld ausgewählt, für die wir die wichtigsten Inhalte zusammengefasst haben. Darunter finden Sie jeweils den Link zur Präsentation auf YouTube, zur deutschen Übersetzung der Transkription (überarbeitete KI). Sie finden dort auch Links zu weiterem Material des Projektes zu diesem Themenfeld sowie externe Links zum Thema, die wir empfehlen können. Für Ihre Hinweise zu weiteren Quellen sind wir dankbar.
Zusammenfassungen und Links
Dr. Meike Kirscht, Leitung Historische Gärten, Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg:
Erhaltung von Gartendenkmälern – Pflege und Neuanpflanzung von Bäumen in historischen Gärten
Dr. Henrik Sjöman, Schwedische Universität für Agrarwissenschaften; Kurator des Botanischen Gartens Göteborg:
Bäume im Klimawandel: Die neue Normalität und die Rolle der Provenienz
In ihrem Vortrag stellt Dr. Meike Kirscht von den Schlössern und Gärten Baden-Württemberg einige der Maßnahmen vor, die ihr Team ergreift, um große, alte Bäume in ihren Gärten in ihrer Vitalität zu unterstützen, neue Bäume auszuwählen und so die Zukunft der historischen Gärten auch unter veränderten klimatischen Bedingungen sicherzustellen.
Kernaussagen:
Reaktivierung von Baumschulen: Die Tradition der garteneigenen Baumschulen wird wiederbelebt, um vorhandene Bäume zu vermehren und zu optimieren und um zu untersuchen, ob Bäume aus anderen Herkunftsregionen besser an Trockenheit und Hitze angepasst sind.
Pflanzenphysiologie: Die Entwicklung langer Pfahlwurzeln bei Sämlingen wird gezielt gefördert, um die Wasseraufnahme im Sommer zu verbessern.
Bewässerung: In Einzelfällen werden bei besonders wertvollen Bäumen provisorische Bewässerungssysteme als „Baumtankstellen“ eingesetzt, um großen alten Bäumen kontinuierlich und sehr gezielt Wasser zuzuführen. Wiesen statt Rasen tragen ebenfalls zu einem besseren Wasserhaushalt bei.
Optimierung der Standortbedingungen: Bodenuntersuchungen werden durchgeführt, um physikalische, chemische und biologische Eigenschaften zu analysieren. Je nach Bedarf werden Bodenverbesserungsmaßnahmen wie Belüftung, Einbringen von Humus, Kompost, Biokohle und Mykorrhizapilzen eingesetzt.
Bodenverdichtung: Es werden Maßnahmen zur Vermeidung von Bodenverdichtung ergriffen, z. B. durch Absperrungen bei Events oder einfach durch das Zulassen von hohem Gras.
Forschungskooperationen: Durch die Teilnahme an Forschungsprojekten, z. B. dem DBU-Projekt „Sanurbaum“ der HAWK Göttingen zur Bodenlockerung durch krautige Pflanzen oder zur Analyse der Artenvielfalt von Pilzen mit dem Naturkundemuseum Karlsruhe, werden neue Erkenntnisse gewonnen und Innovationen erprobt.
Zukünftige Projekte: Geplant sind der Einsatz von Bodenfeuchtigkeitssensoren zur gezielten Bewässerung und die Entwicklung von Lösungen zur Wasserspeicherung in den Gärten.
Text: Transkription und deutsche Übersetzung des Vortrags (mit Musely.ai)
Video (15:14): Mitschnitt des Vortrags auf YouTube (englisch)***
*** Eine automatische, deutsche Übersetzung erhalten Sie auf YouTube, wenn Sie auf „Einstellungen“ gehen, „Untertitel“ aktivieren, „Automatische Übersetzungen“ anklicken und dann „Deutsch“ auswählen.
Dr. Henrik Sjöman von der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften und Kurator des Botanischen Gartens Göteborg spricht über die Auswirkungen des Klimawandels auf Bäume und die Möglichkeit, auf andere Baumarten „umzusteigen“. Sjöman betont, dass die extremen Wetterbedingungen der letzten Jahre die „neue Normalität“ darstellen und bei der Auswahl von Bäumen sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich berücksichtigt werden müssen, insbesondere in historischen Gärten.
Kernaussagen:
Klimaveränderungen und ihre Auswirkungen: Dürreperioden und Hitzewellen nehmen zu und schädigen die Vegetation erheblich. Satellitenbilder zeigen die Auswirkungen der Dürre in Skandinavien und Großbritannien. Grünflächen könnten aufgrund der globalen Erwärmung nicht mehr lebensfähig sein, was Bäume als Schattenspender und zur Schaffung von Resilienz wichtiger macht.
Herausforderungen und Lösungen: Einige Baumarten leiden trotz guter Wachstumsbedingungen unter den neuen Klimabedingungen und können nicht mehr nachhaltig kultiviert werden. Es ist notwendig, über alternative Pflanzenmaterialien nachzudenken, was besonders in historischen Gärten eine Herausforderung darstellt.
Die „Native-Only“-Debatte: Die Frage, ob man sich von einheimischen Arten trennen sollte, ist ein wichtiges Thema. Eine Studie zeigt, dass von 1383 einheimischen Arten in Skandinavien nur 4 Arten den kombinierten Belastungen von Krankheiten, Schädlingsbefall und extremen Wetterbedingungen standhalten. Die Beschränkung auf einheimische Arten ist aus nordwesteuropäischer Sicht möglicherweise nicht nachhaltig.
Substitutionsarten und Biodiversität: Der Einsatz von Substitutionsarten, die ähnliche Eigenschaften wie die ursprünglichen Arten aufweisen, aber widerstandsfähiger gegen Hitze und Dürre sind, kann eine Lösung sein. Beispiele sind Acer opalus anstelle von Acer platanoides und Carpinus orientalis anstelle von Carpinus betulus. Es muss berücksichtigt werden, dass der Austausch von Arten Auswirkungen auf die Biodiversität haben kann, da viele Arten auf bestimmte Baumarten spezialisiert sind.
Bedeutung der Provenienz: Die genetische Vielfalt innerhalb einer Art (Provenienz) spielt eine entscheidende Rolle bei der Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel. Bäume aus Regionen mit ähnlichen Klimabedingungen wie die zukünftigen Bedingungen vor Ort könnten besser geeignet sein. Beispiele sind Quercus robur aus Rumänien oder dem Kaukasus, die dürretoleranter sind als schwedische Exemplare.
Forschungsergebnisse: Studien zeigen, dass verschiedene Genotypen und Ökotypen derselben Art erhebliche Unterschiede in ihrer Dürretoleranz aufweisen. Die Wahl der richtigen Provenienz kann auch bei vermeintlich dürreempfindlichen Arten wie Betula pendula zu besseren Ergebnissen führen.
Schlussfolgerung:
Um die Baumbestände an die „neue Normalität“ anzupassen, ist es wichtig, die genetischen Eigenschaften der Arten zu berücksichtigen und auf widerstandsfähigere Provenienzen zu setzen. Die Zusammenarbeit mit Baumschulen ist entscheidend, um Bäume mit den passenden genetischen Eigenschaften zu erhalten.
Text: Transkription und deutsche Übersetzung des Vortrags (mit noteGPT.io)
Video (20:23): Mitschnitt des Vortrags auf YouTube (englisch)***
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Weiteres Material zum Themenfeld aus dem Projekt
Vorträge vom Webinar „Trees in Historic Gardens in Climate Change“ am 08.02.2023
Vortrag: The wide range of damaging events affecting trees in parks and gardens. (Die Vielzahl schädlicher Ereignisse, die Bäume in Parks und Gärten beeinträchtigen).
Philipp Sattler, Initiativbündnis Historische Gärten im Klimawandel
Vortrag: The influence of climate change on trees in historic parks. Current state and outlook under garden heritage aspects.. (Der Einfluss des Klimawandels auf Bäume in historischen Parks. Aktueller Stand und Ausblick unter dem Gesichtspunkt des Garten- und Landschaftsdenkmals).
Prof. Dr. Norbert Kühn, Technische Universität Berlin – Vegetationstechnik und Pflanzenverwendung
Vortrag: Hazards, Damages and Measures in a Historic Park – Schloss Dyck Case Study. (Gefahren, Schäden und Maßnahmen in einem historischen Park – Fallstudie Schloss Dyck) .
Jens Spanjer, Stiftung Schloss Dyck
Vortrag: How nurseries support the maintenance and replanting of trees in historic parks and gardens (Wie Baumschulen die Pflege und Neuanpflanzung von Bäumen in historischen Parks und Gärten unterstützen).
Kerstin Abicht, Baumschule Lorenz von Ehren
Vortrag: Stronger trees – Practical approaches both in historic gardens and botanical collections (Stärkere Bäume – Praktische Ansätze sowohl in historischen Gärten als auch in botanischen Sammlungen).
Simon Toomer, Curator for Living Collections at Kew Gardens
Empfehlungen: Externe Links
„Zukunftsbäume für die Stadt“ listet etwa 70 verschiedene Bäume auf, die als klimaresistent identifiziert wurden. Die Liste wurde von der GALK – Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz und dem Bund Deutscher Baumschulen zusammengestellt und ist als E-Paper und als Download verfügbar.
„Historische Gärten im Klimawandel. Empfehlungen zur Bewahrung“. Tagungsbericht. Generaldirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG), Deutsche UNESCO, Kommission und ICOMOS-IFLA. Leipzig, 2014.
„Gehölze in historischen Gärten im Klimawandel. Transdisziplinäre Ansätze zur Erhaltung eines Kulturguts“. Herausgeber: Sten Gillner, Antje Schmidt-Wiegand, Norbert Kühn. Universitätsverlag der TU Berlin. 2017.
Die Baumschule Lorenz von Ehren hat einen „Online-Katalog mit klimaresistenten Bäumen“. Filter ermöglichen eine gezielte Suche. Sie finden ihn hier.
Die „Neue Branitzer Baumuniversität“ startete im Jahr 2022 als ein Pilotprojekt zur Sicherung historischer Gärten im Klimawandel. Mehr dazu auf der Webseite der Stiftung.
„Klimabäume. Welche Arten können in Zukunft gepflanzt werden?“ Dr. Phillipp Schönfeld, Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. Veitshöchheim, 2019. Download hier.
„Modellvorhaben Parkschadensbericht: Zustandserfassung der Schäden an Gehölzen in historischen Parks in Deutschland infolge des Klimawandels“. TU Berlin, FG Vegetationstechnik und Pflanzenverwendung. Abschlussbericht als Download.
„Sanierung von Bodenschadverdichtung an urbanen Baumstandorten (SANURBAUM)“. Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Fakultät Ressourcenmanagement. Abschlussbericht als Download.


